Nach seiner kurzzeitigen Festnahme hat der britische Botschafter Rob Macaire einen Bericht über seine Teilnahme an Protestkundgebungen gegen die iranische Regierung zurückgewiesen. Er habe sich an "keinen Demonstrationen" beteiligt, erklärte Macaire am Sonntag auf Twitter. Vielmehr sei er zu einer "Veranstaltung gegangen, die als Trauerwache für die Opfer der Tragödie von Flug PS752 angekündigt war", sagte er. Seine Festnahme bezeichnete er als illegal.

Die Vorwürfe gegen den britischen Botschafter lauteten, dass er Demonstranten provoziert haben solle, "radikale Aktionen" durchzuführen, so die Nachrichtenagentur Tasnim. Bei den Protesten am Samstag hatten Hunderte Iranerinnen und Iraner die Bestrafung der Verantwortlichen für den Abschuss des ukrainischen Passagierflugzeugs gefordert. Großbritannien hat auf die vorübergehende Festnahme ihres Botschafters in Teheran empört reagiert. Der britische Außenminister Dominic Raab bezeichnete "die grundlose und unbegründete Festnahme" des Botschafters in Teheran als "ungeheuerliche Verletzung internationalen Rechts".

Macaire selbst sagte, es sei für einen Diplomaten völlig "üblich, den Opfern seine letzte Ehre zu erweisen", zumal auch britische Staatsangehörige unter ihnen waren. Er sei nach rund fünf Minuten wieder gegangen, als erste regierungsfeindliche Slogans ertönt seien, erklärte er auf Englisch und Farsi. Eine halbe Stunde später sei er festgenommen worden. Macaire fügte hinzu, die Festnahme von Diplomaten sei "illegal, in allen Ländern". Eine Sprecherin des US-Außenministeriums warf Teheran vor, das Wiener Übereinkommen über diplomatische Beziehungen zu verletzten, und forderte eine Entschuldigung gegenüber London. Auch der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell mahnte auf Twitter die "umfassende Einhaltung der Wiener Konvention" an.

Die iranischen Behörden machten zunächst keine Angaben zu der Festnahme des britischen Botschafters. Der iranische Abgeordnete Alaeddin Borudscherdi hatte am frühen Sonntag die Ausweisung des britischen Diplomaten aus dem Iran gefordert. "Als Botschafter sollte man die Gesetze und Vorschriften eines Landes kennen und die diplomatischen Kriterien respektieren", sagte der Abgeordnete und ehemalige Vizeaußenminister Borudscherdi am Sonntag. Ein Diplomat, der an Protestkundgebungen teilnehme, die innere Angelegenheiten des Landes betreffen, habe "im Iran nichts zu suchen". Daher sollte Außenminister Mohammed Dschawad Sarif den Botschafter ausweisen, sagte er nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Tasnim.

Die iranische Regierung hatte nach tagelanger Verzögerung die Verantwortung für den Abschuss der ukrainischen Boeing übernommen, bei dem 176 Menschen ums Leben kamen. Der Abschuss sei versehentlich erfolgt, weil die Flugabwehr die Passagiermaschine für ein "feindliches Flugzeug" gehalten habe, hieß es in Teheran.