Auf einem gemeinsamen Gipfel im französischen Pau haben sich Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und seine Amtskollegen aus der sogenannten G5-Sahelgruppe mehrerer afrikanischer Staaten auf eine "Koalition für das Sahelgebiet" verständigt. Das teilten die beteiligten Länder in einer gemeinsamen Erklärung mit.  

Damit haben sich die Staatschefs der ehemaligen französischen Kolonien Mali, Niger, Burkina Faso, Mauretanien und Tschad ausdrücklich für ein weiteres militärisches Engagement Frankreichs in dem Gebiet ausgesprochen. Frankreich ist seit 2014 mit 4.500 Soldaten gegen zahlreiche terroristische Gruppen in dem Gebiet aktiv. Nun will Macron weitere 220 Soldaten entsenden, im Fokus steht hierbei das besonders gefährliche Grenzgebiet zwischen Mali, Burkina Faso und Niger. Ziel sei "die Rückkehr des Staats in alle Regionen", sagte Macron.

Macron will auch europäische Partner gewinnen

Der militärische Einsatz Frankreichs unter dem Namen Opération Barkhane ist in Westafrika umstritten. Bewohner beschuldigten die französischen Truppen, die Region nicht stabilisiert zu haben, in Mali gab es Proteste gegen die Präsenz der europäischen Soldaten. Auch Macron hatte den Einsatz nach dem Tod von 13 französischen Soldaten bei einem Hubschrauberabsturz im November öffentlich in Zweifel gezogen. Im Nachhinein sicherte er aber zu, Frankreich wolle die dschihadistischen Terroristen weiterhin bekämpfen. 

Der Gipfel sollte ursprünglich bereits im Dezember stattfinden, war aber wegen eines Terroranschlags im Niger verschoben worden. Dabei starben nach Regierungsangaben 89 Soldaten. Zu dem Angriff hat sich keine der vor Ort operierenden Terrormilizen bekannt, verdächtigt wird eine mit der Terrororganisation "Islamischer Staat (IS)" verbündete Gruppe. Diese soll zuvor einen Angriff auf ein Dorf ausgeführt haben, bei dem 71 Menschen starben. 

Neben einer verbesserten Zusammenarbeit mit den Staaten der Sahelzone, die den afrikanischen Kontinent entlang der Südgrenze der Sahara durchschneidet, will Macron auch europäische Partner für die Operation gewinnen. Das könnte allerdings schwierig werden: Deutschland hat Bitten um Beteiligung an einem Einsatz europäischer Spezialeinheiten in Mali bereits zweimal abgelehnt. Die USA wollen einem Bericht der New York Times zufolge ihre in Westafrika eingesetzten Spezialeinheiten reduzieren oder abziehen. Lediglich Estland, Belgien, Dänemark und Tschechien sollen der französischen Zeitung Le Canard enchaîné zufolge Bereitschaft signalisiert haben.

Zahl der Terrorangriffe verdoppelt sich jedes Jahr

In den Staaten der Sahelzone sind etliche bewaffnete Gruppen aktiv, von denen einige dem IS oder der Al-Kaida nahestehen. Besonders von Anschlägen betroffen waren in den vergangenen Monaten der Niger, Mali und Burkina Faso. Trotz der Militärpräsenz hat sich die Lage zuletzt verschlechtert: Die Zahl der Angriffe durch Extremisten hat sich der Denkfabrik Africa Center for Strategic Studies zufolge seit 2015 jedes Jahr verdoppelt, 2019 lag deren Zahl bei 700.

Die Terrorgruppen nutzen für ihre Anschläge regionale ethnische Spannungen, die sie für ihre Sache instrumentalisieren. Auch profitieren sie von der Armut der Sahelstaaten, die zu den ärmsten der Welt gehören, ein hohes Bevölkerungswachstum haben und in denen der Zugang zu Bildung und Gesundheitseinrichtungen schwierig ist. Außerhalb der Städte haben die Regierungen nur wenig Kontrolle über das Staatsgebiet, sodass neben den Dschihadisten auch kriminelle Netzwerke wie Menschenschmuggler dort aktiv sind.

Als weitgehend wirkungslos gilt auch die UN-Mission zur Stabilisierung Malis (Minusma), die seit 2013 läuft. An ihr und einer europäischen Ausbildungsmission ist auch Deutschland mit 1.100 Soldaten beteiligt. Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer hatte im Dezember für ein "robusteres Ausbildungsmandat" plädiert, das auch Antiterroreinsätze umfassen soll. Die Bundeswehr ist in Mali bisher an solchen nicht beteiligt gewesen. Die SPD lehnt eine Ausweitung des Bundeswehrmandats ab.