Die Türkei hat begonnen, Truppen nach Libyen zu entsenden. "Unsere Soldaten sind jetzt dabei, schrittweise dorthin zu gehen", sagte der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdoğan dem Fernsehsender CNN Türk.

Aufgabe der Einsatzkräfte sei "Koordination" und die Einrichtung eines "Einsatzzentrums". Ein Kampfeinsatz sei nicht das Ziel der türkischen Soldatinnen und Soldaten, sagte Erdoğan. Vielmehr sollten die Truppen "die legitime Regierung unterstützen und eine humanitäre Tragödie vermeiden".

Am Donnerstag hatte das türkische Parlament einer mögliche Militärintervention im nordafrikanischen Libyen zugestimmt. Eine Mehrheit der 325 Abgeordneten erteilte Erdoğan die Erlaubnis, Truppen in das Bürgerkriegsland zu entsenden. Das Mandat gilt für ein Jahr.

Die Türkei will die Regierung in Tripolis in ihrem Kampf gegen den abtrünnigen General Chalifa Haftar unterstützen. Der von den Vereinten Nationen unterstützte libysche Ministerpräsident Fajis al-Sarradsch habe um militärische Hilfe gebeten, sagte Erdoğan.

Das libysche Parlament wirft der Türkei Hochverrat vor

In Libyen herrscht seit dem Sturz und gewaltsamen Tod des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi 2011 Chaos. Die Regierung in Tripolis hat weite Teile des Landes nicht unter Kontrolle. Haftar besetzt mit seiner Armee den Osten des Landes, wo auch das Parlament seinen Sitz hat. Vor acht Monaten griff Haftar Tripolis an. Seitdem wurden nach UN-Angaben mehr als 280 Zivilisten getötet und mehr als 140.000 Menschen vertrieben.

Am Freitag kritisierte das libysche Parlament die geplante Intervention als "Hochverrat". Die UN und die internationale Gemeinschaft müssten "ihrer Verantwortung nachkommen" und die Türkei von einem militärischen Eingreifen abhalten, sagte der Vizepräsident des gewählten Parlaments, Ehmajed Huma.