Nach der Tötung eines iranischen Generals bei einem US-Angriff im Irak droht Irans Staatsspitze mit Konsequenzen. Verteidigungsminister Amir Hatami sagte der staatlichen Nachrichtenagentur Irna zufolge, sein Land werde "vernichtende Rache" für die Tötung von General Kassem Soleimani üben. Irans Präsident Hassan Ruhani hat ebenfalls Vergeltung angekündigt.

"Zweifellos werden der Iran und andere unabhängige Staaten dieses schreckliche Verbrechen der USA rächen", schrieb Ruhani in einem Beileidsschreiben auf seiner Website. Diese "feige Tat" zeige die Verzweiflung der amerikanischen Nahostpolitik und wie die Amerikaner ihrer Interessen wegen alle menschlichen Prinzipien außer Acht ließen.

"Diese Tat ist ein weiterer dunkler Fleck für die USA", schrieb der Präsident weiter. Das ganze iranische Volk sei bestürzt über die Ermordung des Generals. Gleichzeitig verdoppele dieser Mord den Willen des Iran im Kampf gegen die Expansionspolitik der USA, schrieb Ruhani.

Irans Führung berät über Reaktion

Der Nationale Sicherheitsrat wurde einberufen, um über Schritte gegen die USA entscheiden. An dem Krisentreffen sollten laut iranischem Staatsfernsehen Präsident Hassan Ruhani, einige seiner Minister sowie die Generäle der iranischen Revolutionsgarden teilnehmen. Als Nachfolger Soleimanis ernannte Irans geistliches Oberhaupt Ajatollah Ali Chamenei dessen bisherigen Stellvertreter, den Brigadegeneral Esmail Kaani.

"Das Weiße Haus kann jetzt schon für seine Truppen in der Region die Särge bestellen", sagte Vizekommandeur Mohammed-Resas Naghdi. Ähnlich äußerte sich auch der Revolutionsgardensprecher Ramesan Scharifi in Richtung USA und Israel: "Heute mögen sich die Amerikaner und die Zionisten noch über den Tod des Generals freuen. Aber wir werden schon bald diese Freude in Trauer umwandeln", sagte Scharifi im Staatssender IRIB.

In fast allen Teilen des Iran kam es zu spontanen Kundgebungen gegen die USA. Besonders bei den Freitagsgebeten fielen harte Worte in Richtung Washington wie "Tod den USA" und "Rache, Rache". Medienangaben zufolge nahmen Hunderttausende an den Demonstrationen teil.

Keine Absprache mit dem US-Kongress

Auch in den USA wurde der Angriff kritisiert. Nach Meinung des früheren US-Vizepräsidenten Joe Biden stehen die Vereinigten Staaten möglicherweise "am Rande eines größeren Konflikts im Nahen Osten". US-Präsident Donald Trump habe soeben "eine Stange Dynamit in ein Pulverfass geworfen", schrieb der Präsidentschaftskandidat der Demokraten in einer Stellungnahme.

Zwar habe der Kommandeur der iranischen Al-Kuds-Brigaden, Kassem Soleimani, es verdient, "für seine Verbrechen gegen amerikanische Soldaten" zur Rechenschaft gezogen zu werden. Doch habe der US-Angriff die bereits gefährliche Lage in der Region unnötig eskaliert, schrieb Biden.

Bei dem US-Angriff nahe dem Flughafen in Bagdad war Soleimani am Donnerstag getötet worden. Das US-Verteidigungsministerium teilte mit, die Bombardierung sei auf Trumps Anweisung erfolgt. Soleimani habe "aktiv Pläne ausgearbeitet, um amerikanische Diplomaten und Truppenangehörige im Irak und der gesamten Region anzugreifen", und zudem den Sturm auf die US-Botschaft in Bagdad am Dienstag gebilligt. Dieser gilt als eine der schwersten Attacken auf eine diplomatische Einrichtung der USA in den vergangenen Jahren. Die US-Botschaft in Bagdad rief die US-Bürger im Irak auf, sofort das Land zu verlassen.

Die demokratische Vorsitzende des US-Repräsentantenhauses Nancy Pelosi stellte die Rechtmäßigkeit des US-Raketenangriffs in der irakischen Hauptstadt Bagdad infrage. Der Angriff sei "ohne Absprache mit dem Kongress" erfolgt, schrieb Pelosi in einer Stellungnahme, die in der Nacht zum Freitag von US-Medien verbreitet wurde.

Das Leben von US-Einsatzkräften und Diplomaten dürfe nicht weiter durch "provokative und unverhältnismäßige" Handlungen gefährdet werden, warnte die Frontfrau der Demokraten. Der Luftangriff könne zu einer weiteren "gefährlichen Eskalation der Gewalt" führen.