Als erster US-Präsident hat Donald Trump an der alljährlichen Großdemonstration von Abtreibungsgegnern in Washington persönlich teilgenommen. In seiner Rede bei dem "Marsch für das Leben" würdigte er die Teilnehmer der Kundgebung und sagte, "ungeborene Kinder hatten niemals einen stärkeren Verteidiger im Weißen Haus".

1999 hatte Trump in einem Interview noch gesagt, er sei für "Wahlfreiheit in jeder Beziehung". Nun, da die Präsidentenwahl Ende des Jahres näher kommt, umwirbt Trump die weißen evangelikalen Wähler, die zu seinen loyalsten Unterstützern zählen. "Jedes Leben bringt Liebe in diese Welt. Jedes Kind bringt Freude in eine Familie. Jede Person ist es wert, geschützt zu werden", sagte Trump unter dem lauten Jubel der mehreren Tausend Teilnehmer der Kundgebung. Diese seien von "reiner, selbstloser Liebe" motiviert, sagte er. Trump griff seine politischen Gegner, die Demokraten, an, die "radikale und extreme Positionen" zu Schwangerschaftsabbrüchen verträten.

In der Vergangenheit hielten sich Präsidenten wie Ronald Reagan und George W. Bush, die gegen das Recht auf Schwangerschaftsabbrüche waren, von der jährlichen Großdemonstration der evangelikalen Lebensschützer fern und sandten lediglich Grußbotschaften oder luden Organisatoren ins Weiße Haus ein.

Vize-Präsident Mike Pence war der bisher ranghöchste Politiker, der auf der traditionellen Kundgebung am Jahrestag eines wichtigen Urteils zum Schwangerschaftsabbruch des Obersten Verfassungsgerichts sprach. Trump hatte sich in den Vorjahren per Videokonferenz zu Wort gemeldet. 

Der Oberste US-Gerichtshof hatte 1973 in einer historischen Entscheidung Schwangerschaftsabbrüche grundsätzlich für legal erklärt. Befürworter des Rechts auf Abtreibungen befürchten aber, dass dies rückgängig gemacht oder eingeschränkt werden könnte. Trump hat seit Amtsantritt zwei konservative Richter an den Supreme Court berufen, in dem das konservative Lager damit inzwischen in der Mehrheit ist.

Laut einer Umfrage des Meinungsforschungszentrums Pew von 2019 sind etwa 60 Prozent der US-Amerikanerinnen und Amerikaner der Ansicht, dass Schwangerschaftsabbrüche in allen oder den meisten Fällen legal sein sollten. Im Laufe der Zeit nahmen aber sowohl die Republikanische als auch die Demokratische Partei härtere Positionen für oder gegen das Recht auf einen Schwangerschaftsabbruch ein.