Polen und Litauen wenden sich gemeinsam gegen den russischen Versuch, den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs umzudeuten. "Wir werden den Kreml nicht so einfach Geschichte manipulieren und Lügen verbreiten lassen", sagte der litauische Außenminister Linas Linkevičius nach einem Treffen mit seinem polnischen Kollegen Jacek Czaputowicz in Vilnius.

Der russische Präsident Wladimir Putin und andere ranghohe russische Politiker hatten zuletzt den Molotow-Ribbentrop-Pakt zu relativieren versucht und Polen eine Mitschuld am Ausbruch des Zweiten Weltkriegs zugeschoben. Durch das deutsch-sowjetische Nichtangriffsabkommen, auch als Hitler-Stalin-Pakt bekannt, wurden Polen, die baltischen Staaten und Finnland zwischen NS-Deutschland und der Sowjetunion aufgeteilt. Hitler überfiel am 1. September 1939 Polen, Stalins Truppen marschierten gut zwei Wochen später im Osten des Landes ein.

Auch Lettland protestiert

Hintergrund sind die in Russland geplanten großen Feierlichkeiten zum 75. Jahrestag des Siegs über Hitler-Deutschland im Mai. Linkevičius sagte, der Kreml versuche, Stalin nun positiv darzustellen und den Molotow-Ribbentrop-Pakt zu rechtfertigen. "Wir werden das nicht zulassen." Czaputowicz sagte: "Wir haben vereinbart, dass unsere Experten eng auf dem Gebiet der Desinformation zusammenarbeiten, damit wir diesen Bedrohungen zusammen entgegentreten können."

Auch das lettische Parlament in Riga stellte sich mit einer Erklärung gegen eine Verzerrung der Geschichte des Zweiten Weltkriegs. Die Versuche russischer Amtspersonen, die historischen Fakten zu den Ursachen, dem Verlauf und Ende des Zweiten Weltkriegs zu leugnen und die Verantwortung der Sowjetunion herunterzuspielen, seien inakzeptabel, heißt es darin. Dies sollte auch von der internationalen Gemeinschaft kritisch bewertet werden.

Zuvor hatten westliche Historiker die neue russische Darstellung zum Beginn des Zweiten Weltkriegs bereits zurückgewiesen. EU-Justizkommissarin Věra Jourová stellte sich ebenfalls hinter Polen. Sie weise "die falsche Behauptung" zurück, Polen sei Täter und nicht Opfer, sagte Jourowa im EU-Parlament. Sie werde "diese Angriffe auf Polen nicht tolerieren".

Polen plant daher unter anderem ein Gesetz gegen den russischen Versuch, die Geschichte umzudeuten. Ende Dezember wurde in dem Streit der russische Botschafter in Warschau einbestellt.