Dem öffentlich-rechtlichen Sender BBC in Großbritannien droht laut Medienberichten ein fundamentaler Umbau. Wie die Sunday Times unter Berufung auf ein internes Papier berichtet, will die Regierung von Premierminister Boris Johnson unter anderem die allgemeine Rundfunkgebühr für die British Broadcasting Corporation abschaffen. An ihre Stelle soll demnach ein Abonnementmodell treten. Auch CNN berichtet, dass die Gebührenfinanzierung innerhalb der Regierung zur Diskussion steht.

Außerdem könnte der Sender stark verkleinert werden, wie die Sunday Times weiter aus dem Papier zitiert. So soll die BBC laut dem Papier gezwungen werden, einen Großteil ihrer bislang 61 Radiostationen zu verkaufen, die Zahl der bislang zehn nationalen Fernsehkanäle solle verringert und bei der BBC-Website gespart werden. Mehr Investitionen seien dagegen in die internationale Berichterstattung geplant. Zudem sollen hochrangigen BBC-Mitarbeitern Nebenverdienste untersagt werden. Die Änderungen könnten dem Bericht zufolge im Zuge der Erneuerung der Royal Charter über die BBC – vergleichbar dem deutschen Rundfunkstaatsvertrag – im Jahr 2027 in Kraft treten.

Die Sunday Times zitiert einen nicht namentlich genannten Informanten aus Regierungskreisen, der bestätigt, dass die Gebührenfinanzierung einem Abomodell weichen solle. Die BBC habe Hunderte Radiostationen, "sie haben all diese TV-Stationen und eine riesige Website. All das muss massiv beschnitten werden". Eine andere regierungsnahe Quelle sagte dem Blatt, Johnson sei "sehr klar der Ansicht", dass eine ernsthafte Reform nötig sei. Der Premier sei hier sehr entschlossen.

Der BBC-Vorsitzende David Clementi hatte laut der Zeitung erst kürzlich eindringlich davor gewarnt, das Finanzierungsmodell der Anstalt zu verändern. Die Umstellung auf ein Abomodell würde laut Clementi zu Umsatzeinbußen führen, die wiederum Einschnitte im Programm zur Folge hätten. Dies könnte demnach zum Verlust des öffentlichen Auftrags der BBC zugunsten von Inhalten führen, die sich rein am Interesse der zahlenden Kundschaft orientierten.

Johnson hatte bereits vor den Wahlen zum britischen Unterhaus Ende 2019 angekündigt, das Finanzierungsmodell der BBC prüfen zu wollen. Brexit-Befürworter warfen der öffentlich-rechtlichen Sendestation im Zusammenhang mit dem EU-Austritt der Briten wiederholt einseitige Berichterstattung vor.