Nach dem Brexit will die konservative Regierung des Premierministers Boris Johnson die Einwanderung mithilfe eines Punktesystems regulieren. Laut Innenministerin Priti Patel werden potenzielle Migrantinnen und Migranten nach Fähigkeiten, Qualifikationen, Gehältern und Berufen geprüft. Die Einwanderung von geringqualifizierten Arbeitnehmern soll massiv eingeschränkt werden.

Nach den neuen Plänen soll eine Einwanderung ab 2021 mit einem Jobangebot mit Jahresgehalt von mindestens 25.600 Pfund möglich sein. Bisher war ein Gehalt von 30.000 Pfund bei Migranten aus Nicht-EU-Ländern nötig. Die Einwanderung von selbstständigen Arbeitnehmern ohne Jobangebot wird somit erschwert, wie der Guardian berichtet. Weitere Kriterien seien ebenfalls im neuen System verankert. So müssen Migrantinnen zwar aktuell einen Universitätsabschluss haben, künftig wird aber ein mit dem britischen A-Level vergleichbarer Abschluss genügen. Das A-Level entspricht in etwa dem deutschen Abitur. Auch die englische Sprache wird laut Guardian vorausgesetzt werden.

Die Nettozuwanderung, also die Zahl der innerhalb eines bestimmten Zeitraums zugewanderten Personen abzüglich der abgewanderten Personen, soll sich von derzeit über 200.000 Personen im Jahr verringern. Allerdings will die Regierung die Nettozuwanderung nicht mehr auf unter 100.000 Personen reduzieren, wie es von Vorgängerregierungen verlangt wurde. 

"Arbeitgeber werden sich anpassen müssen"

Die Regierung von Premierminister Boris Johnson erklärte, das neue System werde "das Vereinigte Königreich für die Klügsten und Besten aus der ganzen Welt öffnen" und zugleich "die Abhängigkeit von billigen, geringqualifizierten" Arbeitskräften beenden. Kritiker warnen vor personellen Engpässen in Bereichen wie Gastronomie, Gesundheit und Pflege, Landwirtschaft und Lebensmittelverarbeitung. Dort sind häufig Menschen mit geringeren Qualifikationen beschäftigt. "Die Zuführung von angehenden Pflegekräften über ein neues Einwanderungssystem zu beschneiden, wird dazu führen, dass mehr Menschen unnötigerweise in Krankenhäusern warten müssen oder keine Pflege bekommen", sagte der britische Verband der Hauspflegedienste UKHCA.   

Der Fokus der Wirtschaft müsse sich laut dem Entwurf ändern. Statt einer Abhängigkeit von billigen Arbeitskräften aus Europa müsse man sich in Zukunft auf Investitionen in Technologie und automatisierte Abläufe konzentrieren. "Arbeitgeber werden sich anpassen müssen", heißt es weiter.

Großbritannien ist am 31. Januar aus der EU ausgetreten. Die neuen Regelungen würden für das Land die größte Einwanderungsreform seit Jahrzehnten bedeuten. In der Übergangszeit bis zum 31. Dezember soll die EU-garantierte Personenfreizügigkeit weiterhin gelten. EU-Bürgerinnen und Bürgern wird bis dahin ungehinderter Aufenthalt und Beschäftigung in Großbritannien erlaubt. Die etwa drei Millionen EU-Bürger, die in Großbritannien leben, sollen bleiben dürfen.

Die Reform soll ab dem 1. Januar 2021 für Migranten sowohl aus EU- als auch aus Drittstaaten gelten. Das Parlament muss die neuen Einwanderungsregeln bestätigen. Die konservativen Tories haben eine Mehrheit im britischen Unterhaus.