Wie konnten sie nur, die Anführenden der Demokratischen Partei Iowas? Wie konnten sie nur eine App für die Auszählung der Stimmen einführen, die kaum getestet war, schon gar nicht unter Bedingungen, die man Stresstest nennen könnte – und sowieso nicht von jenen Leuten, die ab 21 Uhr am Montag mit der App arbeiten sollten?

Die Wahlhelferinnen und Wahlhelfer erzählten spät in der Nacht, sie hätten die von einer Firma mit dem grotesk passenden Namen Shadow in zwei Monaten zusammenprogrammierte App erst am vergangenen Freitag erhalten. Sie bekamen keine Anleitung. Nur die lapidare Ansage: "Spielt ein bisschen damit!"

Wie konnten die Anführerinnen und Anführer der Partei so naiv sein? Sogar fahrlässig – immerhin hatten sie das Angebot des für die Innere Sicherheit der USA zuständigen Department of Homeland Security abgelehnt, die App zu prüfen.

Am Ende war das Debakel der Stimmauszählung eine Steilvorlage für Donald Trump und seine Republikaner. Dabei wird Trump 2020 ein stärkerer Gegner sein als noch vor vier Jahren. Seine Partei hat sich ihm unterworfen, gehorcht ihm, dankt ihm, fürchtet ihn. Seine Wahlkampfkampagne – vor vier Jahren kaum existent – steht seit Monaten und hat Wucht.

Weil nun aber die App nicht funktionierte und weil die Ergebnisse des Caucus von Iowa, dieser ersten Vorwahl der Demokraten, nicht wie geplant um kurz nach 21 Uhr vorlagen und auch nicht um 22, 23 Uhr oder um Mitternacht, ja nicht einmal am nächsten Morgen, weil alle Kandidatinnen und Kandidaten ahnungslos ihre Siegesreden ohne Sieg gehalten hatten und nach Manchester in New Hampshire weitergereist waren – weil eben alles so ganz und gar vermurkst gelaufen war, sagte nun Trump, dass man einer Partei, die eine Wahl in Iowa mit nur 3,2 Millionen Menschen nicht organisieren könne, kaum das Land mit 327 Millionen Menschen anvertrauen dürfe. Ein politischer Elfmeter, lässig verwandelt. 

"Iowa, du hast die Nation schockiert"

Wer so viele Fehler macht, wird gegen Trumps Republikaner nichts gewinnen. Wenn die Demokraten wirklich vorhaben, Trump am 3. November abzulösen, sollten sie in den kommenden Monaten eine Wiederholung der Erzählung von Iowa vermeiden: Dort sind die Profis, die Republikaner – und hier sind wir Demokraten, radikale Träumer, leider Dilettanten. Das ist das Bild, was von Iowa 2020 bleiben wird, vielleicht das einzige.

Und es ging noch weiter. Trumps Söhne zündelten auf Twitter, griffen sofort zum bösen Wort rigged (manipuliert) und entwickelten Verschwörungstheorien (War das alles nicht eine Hilfsmaßnahme für den hilflosen Joe Biden?). Und darum waren am Dienstag dann alle blamiert: die Kandidatinnen und Kandidaten, die ein knappes Jahr lang Wahlkampf in Iowa gemacht hatten; natürlich die Partei; natürlich Iowa.

  • Demokraten
  • Republikaner

Heute sind wir immerhin etwas schlauer: Die Teilergebnisse lagen am frühen Morgen immerhin vor.

Pete Buttigieg (26,8 Prozent der sogenannten Delegiertenstimmen) und Bernie Sanders (25,2 Prozent) haben in Iowa gewonnen, weshalb das politische Amerika beide ab sofort vermutlich ernst nehmen sollte. "Iowa, du hast die Nation schockiert", rief Buttigieg in seiner Rede und der Satz stimmte auf sämtlichen Ebenen. Elizabeth Warren (18,4 Prozent) wurde gleichfalls noch starke Dritte.

Die Überraschung der Nacht ist Amy Klobuchar (12,6 Prozent) als gute Fünfte, die zudem die Verwirrung des kollektiven Unwissens rasant nutzte und als Erste zu ihren Anhängerinnen und Anhängern sprach, was 15 unbezahlbare Liveminuten bei sämtlichen Sendern bedeutete, die nach Inhalten gierten und keine hatten. Klobuchar hat nicht wirklich eine Chance auf die Präsidentschaft, aber sie hält durch und wird stärker, und längst wird sie darum als künftige Vizepräsidentin oder wichtige Ministerin gehandelt. Dies waren die vier Sieger und Siegerinnen von Iowa, und der Verlierer war der Favorit Joe Biden (15,4 Prozent). Er wurde nur Vierter – ist dies der Beginn seines Absturzes? Noch weiß man es nicht.