In der irakischen Hauptstadt Bagdad sind mehrere Raketen auf eine von der US-Armee genutzte Militärbasis abgefeuert worden. Der in unmittelbarer Nähe zur US-Botschaft gelegene Stützpunkt sei von "kleinen Raketen" getroffen worden, sagte ein Sprecher der US-geführten Anti-IS-Koalition im Irak. Opfer gebe es nicht. Den Angaben zufolge schlugen die Raketen in der sogenannten Grünen Zone ein, in der sich das hoch gesicherte Regierungsviertel und zahlreiche ausländische Botschaften befinden.

Ungefähr zur selben Zeit sei in einem anderen Stadtteil von Bagdad eine weitere Rakete auf eine Basis der schiitischen Hasched-al-Schaabi-Milizen abgefeuert worden, erklärte die irakische Armee. Von den Milizen gab es keine Bestätigung für den Vorfall.

Zeitgleiche Attacken auf Ziele der USA und der Hasched-al-Schaabi-Milizen sind ungewöhnlich. Die vom Iran bewaffneten, finanzierten und trainierten Hasched-al-Schaabi-Milizen sind offizieller Teil des irakischen Sicherheitsapparats.

In der Vergangenheit hatte die US-Regierung Gruppierungen aus dem Netzwerk für Angriffe auf US-Ziele im Irak verantwortlich gemacht. Ein Bekenntnis der Milizen zu den Anschlägen gab es bislang jedoch nie. Auch zu den Raketenangriffen bekannte sich zunächst niemand.

"Wir sind näher, als ihr denkt"

Die radikale proiranische Harakat-al-Nudschaba-Miliz, die Teil des al-Schaabi-Bündnisses ist, hatte nur wenige Stunden vor dem Angriff einen "Countdown" bis zum Vertreiben der US-Truppen aus dem Land angekündigt. Im Onlinedienst Twitter veröffentlichte die Miliz offenbar ein Foto eines US-Militärfahrzeugs und schrieb: "Wir sind näher, als ihr denkt."

Seit der gezielten Tötung des iranischen Generals Kassem Soleimani und des irakischen Milizen-Anführers Abu Mahdi al-Muhandis bei einem US-Drohnenangriff Anfang Januar hat es bereits mehrere Angriffe auf die hoch gesicherte Grüne Zone in der irakischen Hauptstadt gegeben. Meist stecken dahinter örtliche Milizen, von denen manche auch vom Nachbarland Iran unterstützt werden. Ende Januar war das Gelände der amerikanischen Botschaft in der Grünen Zone von Raketen direkt getroffen worden. Dabei wurden drei Menschen verletzt. 

Nach dem Angriff auf Soleimani und al-Muhandis haben sich nicht nur die Spannungen zwischen den USA und der iranischen Regierung verschärft. Auch das Verhältnis zwischen den USA und dem Irak wurde dadurch stark belastet. Das irakische Parlament verlangte kurz nach der Tötung von Soleimani den Abzug aller US-Truppen sowie anderer ausländischer Streitkräfte aus dem Land.