US-Demokraten - Bernie Sanders gewinnt Vorwahlen in New Hampshire Der linke Senator Bernie Sanders konnte sich bei der Vorwahl im Bundesstaat New Hampshire die meisten Delegiertenstimmen sichern. Sanders sprach vom Ende der "Ära Trump". © Foto: Mike Segar/Reuters

Der US-Senator Bernie Sanders hat die Vorwahlen zum Präsidentschaftskandidaten der Demokraten in New Hampshire gewonnen. "Lassen Sie mich diese Gelegenheit nutzen, um den Menschen in New Hampshire für einen großartigen Sieg heute Abend zu danken", sagte Sanders vor Anhängern. "Dieser Sieg hier ist der Anfang vom Ende für Donald Trump."

Nach Auszählung von rund 95 Prozent der Bezirke kam der Senator aus Vermont auf 25,9 Prozent der Stimmen. Der ehemalige Bürgermeister von South Bend, Pete Buttigieg, bekam 24,4 Prozent. Überraschend stark schloss auch die moderate und weniger bekannte Senatorin Amy Klobuchar ab. Sie kam mit 19,7 Prozent auf den dritten Platz. "Hallo Amerika! Ich bin Amy Klobuchar und ich werde Donald Trump schlagen", sagte sie vor jubelnden Unterstützern. Das Land brauche einen Wechsel. 

Auf Platz vier liegt Senatorin Elizabeth Warren mit 9,3 Prozent, dahinter der ehemalige Vizepräsident Joe Biden mit 8,4 Prozent. Die sichtlich enttäuschte Warren erklärte vor Unterstützern, sowohl Sanders als auch Buttigieg seien "großartige Menschen und jeder von ihnen wäre ein wesentlich besserer Präsident als Donald Trump". Sie bleibe aber weiter im Rennen.

Biden hatte in landesweiten Umfragen lange in Führung gelegen. Das extrem schwache Ergebnis dürfte seine Kampagne jedoch beschädigen. Biden gab sich dennoch kämpferisch. Bislang hätten erst zwei Bundesstaaten abgestimmt, sagte er. "Der Kampf, um Donald Trumps Präsidentschaft zu beenden, hat gerade erst begonnen", sagte er vor Unterstützern in South Carolina. In dem Staat wird am 29. Februar abgestimmt. 

Sanders aus Vermont beschreibt sich selbst als "demokratischen Sozialisten" und ist vor allem bei jungen Wählern beliebt. Er will unter anderem das Gesundheitssystem drastisch umbauen. Er wirft Buttigieg mangelnde Erfahrung vor. Der frühere Bürgermeister der Stadt South Bend wiederum hält Sanders vor, dass dessen zahlreiche Wahlversprechen nicht finanzierbar seien. Buttigieg stellt sich als Kandidat der Mitte dar, der auch von Trump enttäuschte Republikaner für sich gewinnen will.

Yang und Bennet geben auf

Der Unternehmer Andrew Yang gab derweil im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur auf. Die absehbaren Resultate seien "nicht das Ergebnis, für das wir so hart gekämpft haben", sagte Yang. Es gebe derzeit keinen Weg mehr für ihn, sich die Kandidatur der Partei zu sichern. Yang kandidierte trotz keinerlei politischen Hintergrunds. Er hatte sich unter anderem für ein universelles Grundeinkommen eingesetzt. Er überraschte politische Beobachter, indem er sich für Debatten qualifizierte und sich länger im Wettbewerb hielt als erfahrene Politiker.

Auch der Senator aus Colorado, Michael Bennet, gab auf, weil er schlechter als erwartet abschnitt. Yang und Bennet erklärten beide, sie würden im Wahlkampf den siegreichen Kandidaten der Demokraten unterstützen, um Präsident Donald Trump bei der Wahl im November abzulösen. Beide erreichten in New Hampshire ersten Ergebnissen zufolge nur einen Stimmanteil im unteren einstelligen Prozentbereich. Ursprünglich bemühten sich rund 30 Demokraten um die Präsidentschaftskandidatur ihrer Partei, jetzt sind es noch zehn.

US-Präsident Donald Trump war ebenfalls nach New Hampshire gereist und hatte zu seinen Anhängern gesprochen. Ebenso wie die Demokraten hielten auch die Republikaner am Dienstag ihre Vorwahl in dem Bundesstaat ab. Trump hatte jedoch wie erwartet keinen ernsthaften Rivalen, unmittelbar nach Schließung der Wahllokale stand er als Sieger fest.

Symbolischer Überraschungserfolg für Bloomberg

In Dixville Notch im Norden von New Hampshire, wo die abgegebenen Stimmen der nur fünf Wahlberechtigten direkt nach Mitternacht gezählt wurden, gewann überraschend der Milliardär Michael Bloomberg. Dabei stand der Ex-Bürgermeister von New York gar nicht auf den Wahlzetteln. Der 77-Jährige hatte angekündigt, die ersten Abstimmungen im Februar auszulassen, um sich auf den Super Tuesday am 3. März zu konzentrieren, an dem 14 Staaten gleichzeitig Vorwahlen abhalten.

Bei den Vorwahlen in New Hampshire werden nur 24 Delegiertenstimmen vergeben, die beim entscheidenden Nominierungsparteitag im Sommer zum Tragen kommen. Um sich die Präsidentschaftskandidatur der Partei zu sichern, muss ein Bewerber fast 2.000 Stimmen gewinnen. Die Bedeutung der Abstimmung liegt daher vor allem in ihrer Signalwirkung zu Beginn des langen Vorwahlkampfs: Ein gutes Abschneiden kann Kandidaten wichtigen Rückenwind geben, eine Niederlage kann dazu führen, dass die Spenden zurückgehen und Bewerber aufgeben müssen.

Die Vorwahlen hatten vergangene Woche mit einer schweren Panne im Bundesstaat Iowa begonnen. Wegen technischer Probleme konnten die Wahlergebnisse längere Zeit nicht übermittelt werden. Letztlich gewann Buttigieg knapp vor Sanders, dahinter folgten Warren und Biden. Die Vorwahlen ziehen sich noch bis Juni hin. Anschließend küren beide Parteien ihren Präsidentschaftskandidaten offiziell. Die Präsidentschaftswahl ist für den 3. November angesetzt.

Senator Sanders übernahm erstmals in einer Umfrage die landesweite Führung unter den demokratischen Präsidentschaftsbewerbern. Laut einer am Montag veröffentlichten Umfrage der Universität Quinnipiac liegt der 78-Jährige mit 25 Prozent auf dem ersten Platz. Der bisherige Spitzenreiter Biden kommt nach seiner heftigen Niederlage in Iowa nur noch auf 17 Prozent. Mit 15 Prozent folgt Bloomberg, der zuletzt in Umfragen massiv zulegen konnte. Er profitiert von Bidens Schwäche – und hat Hunderte Millionen Dollar aus seinem Privatvermögen in den Wahlkampf gesteckt. Die Senatorin Warren steht landesweit bei 14 Prozent, Buttigieg bei zehn Prozent.