Der in der Russland-Affäre verurteilte Ex-Berater von US-Präsident Donald Trump, Roger Stone, hat einen neuen Prozess gefordert. Am Freitag reichte Stone einen entsprechenden Antrag vor dem zuständigen Gericht in Washington ein. Zwar wurden die Gründe dafür zunächst nicht bekannt, allerdings hatten seine Unterstützerinnen und Unterstützer kürzlich einem der Geschworenen Befangenheit gegenüber Stone vorgeworfen.

Sie beschuldigten die Jury-Vorsitzende Tomeka Hart, mutmaßliche Vorbehalte gegen die Republikaner bei der Jury-Auswahl nicht berücksichtigt zu haben. Alle Geschworenen im Fall Stone wurden vor Beginn des Prozesses vom Richter, dem Verteidigungsteam von Stone und den Staatsanwälten auf mögliche Befangenheit überprüft. Stones Anwälte hatten Hart ohne Einwände für die Jury akzeptiert.

Stone sagte laut dem Sender CNN, er habe einen neuen Prozess verdient, "weil das Gericht es versäumt hat", einen Geschworenen aus der Auswahl für die Jury zu streichen. Diese Person arbeite im US-Justizministerium und habe Nachrichten über Stones Verhaftung und seinen Fall gelesen. Richterin Amy Berman Jackson fragte daraufhin den Geschworenen, ob er eine Meinung zu dem Fall habe, was der Geschworene verneinte. Der Name des Geschworenen wurde nicht bekannt gegeben.

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Staatsanwälte treten wegen Intervention von Trump zurück

Stones Forderung nach einem neuen Prozess erfolgt nach turbulenten Tagen für das US-Justizministerium: Am Montag hatte die Staatsanwaltschaft sieben bis neun Jahre Haft für Stone gefordert, der im November in der Russland-Affäre unter anderem der Falschaussage und Zeugenbeeinflussung schuldig gesprochen worden war. Als Trump dies auf Twitter kritisierte, intervenierte das Justizministerium und sprach sich für eine mildere Haftstrafe aus. Wegen der Intervention des US-Präsidenten zogen sich vier Staatsanwälte von dem Fall zurück. Eine neu eingesetzter Staatsanwalt schlug schließlich eine Strafe von nur drei bis vier Jahren Gefängnis vor. Am kommenden Donnerstag soll laut CNN nun das Urteil gegen Stone fallen.

Die ursprünglich geforderte Haftstrafe bezeichnete US-Justizminister William Barr als "überzogen", wies aber Vorwürfe zurück, er sei Trump entgegengekommen. Zudem kritisierte er Trumps Twitter-Botschaften. Damit erschwere der Präsident seinem Ministerium die Arbeit.