In der umkämpften Provinz Idlib im Nordwesten Syriens sollen sich mehr als 60 Islamisten aus Deutschland aufhalten. Dies haben Recherchen des Südwestrundfunks (SWR) und des ARD-Studios Kairo ergeben. Aus Chatprotokollen geht demnach hervor, dass die Islamisten unter anderem mit dem früheren Al-Kaida-Ableger Hajat Tahrir al-Scham (HTS) zusammenarbeiten.

In Messengerdiensten wie Telegram betrieben sie Propaganda für den sogenannten Dschihad in Syrien. Demnach soll ein Mann, der sich Abu Fatima nennt, in deutscher Sprache über das Vorrücken des Assad-Regimes berichten. So schreibt er etwa: "Wegen der aktuellen Lage werde ich keine Zeit mehr für den Kanal haben. Der große Krieg hat begonnen, es geht um alles."

In Propagandavideos werde zudem um Spenden aus Deutschland geworben. In privaten Sprachnachrichten, die nach Deutschland geschickt wurden, werde laut SWR detailliert beschrieben, wie diese Spenden nach Syrien gelangen sollen. Das Geld solle entweder per Western Union an eine Kontaktperson in Istanbul geschickt werden oder über sogenannte Bitcoin-Automaten nach London. "Dort wird mir das von einem Bruder abgehoben und mir persönlich geschickt (…) Das ist in­schal­lah safe und anonym", heißt es in einer Sprachnachricht, die erst vor wenigen Tagen verschickt wurde.

Deutsche Sicherheitsbehörden wissen dem Bericht zufolge von dieser Spendenpraxis. Das Bundesamt für Verfassungsschutz erklärte, ihm lägen Erkenntnisse zu deutschsprachigen Al-Kaida-nahen Onlineakteuren vor, die regelmäßig zur Ausreise nach Syrien und zur finanziellen Unterstützung des Dschihad aufriefen. Wer nicht selbst ausreisen könne, werde dazu angehalten, den Dschihad finanziell zu unterstützen.

Kryptowährungen für Terrorismusfinanzierung genutzt

Das Bundeskriminalamt beobachte das Thema Kryptowährungen im Kontext der Terrorismusfinanzierung "seit längerer Zeit intensiv", heißt es. Kryptowährungen wiesen generell "aufgrund ihres hohen Grades an Anonymität ein erhöhtes Risiko auf, nicht nur für Geldwäsche, sondern auch für Zwecke der Terrorismusfinanzierung eingesetzt zu werden".

Unter den Islamisten aus Deutschland, die sich im Raum Idlib militanten Gruppen angeschlossen haben, soll nach SWR-Informationen auch Tolga D. sein. Er gehörte früher zum Umfeld der sogenannten Sauerland-Gruppe. 2007 wurde er wegen eines illegalen Grenzübertritts in Pakistan festgenommen und nach Deutschland abgeschoben. Die Behörden gingen damals davon aus, dass er sich der Terrorgruppe Al-Kaida hatte anschließen wollen. 

Idlib wird noch von Aufständischen kontrolliert. Islamisten sind in allen anderen Teilen Syriens verdrängt worden. Der syrische Machthaber Baschar al-Assad ist entschlossen, auch diese Region wieder unter seine Kontrolle zu bringen. Sein wichtigster Verbündeter ist Russland, während die Türkei in dem Konflikt die Rebellen unterstützt. Wegen der eskalierenden Lage haben die Vereinten Nationen erneut eine Waffenruhe eingefordert.