Wegen der eskalierenden Lage im syrischen Bürgerkriegsgebiet Idlib haben die Vereinten Nationen ihre Rufe nach einer dringenden Waffenruhe verstärkt. Bei einer Sondersitzung des UN-Sicherheitsrates beschrieben der UN-Vermittler für Syrien, Geir Pedersen, und UN-Nothilfekoordinator Mark Lowcock die aktuelle Lage in Idlib als düster.
In den vergangenen zwei Monaten seien knapp 600.000 Menschen in dem Rebellengebiet auf der Flucht gewesen, die meisten davon Kinder, sagte Lowcock. Hintergrund ist ein Vormarsch der Streitkräfte des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad in der Region, in der nach Schätzungen rund 3 Millionen Menschen leben. Die nicht von syrischen Truppen kontrollierten Gebiete seien zunehmend überfüllt. Wie auch Lowcock betonte Pedersen die "dringende Notwendigkeit" einer Waffenruhe.
Um die Sondersitzung der Vereinten Nationen hatten die USA, Großbritannien
und Frankreich gebeten. Alle drei Länder forderten eine Feuerpause für die
Region. Auch die Bundesregierung hatte sich Ende Januar für eine sofortige Waffenruhe stark gemacht. Russlands UN-Botschafter Wassili Nebensja warf seinen Amtskollegen
doppelte Standards vor. Extremistische Gruppen in Idlib griffen Zivilisten an,
würden aber von den Ländern des mächtigsten UN-Gremiums nicht verurteilt.
Beobachter melden 17 tote Zivilisten im Norden
Bei neuen Luftangriffen in Nordsyrien sind nach Angaben von Aktivisten mindestens 17 Zivilisten ums Leben gekommen, darunter auch Kinder. Wie die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte, töteten russische Truppen bei Bombardements in Vororten der Stadt Idlib zehn Menschen. Weitere sieben Zivilisten seien bei Luftangriffen syrischer Regierungstruppen oder der mit ihnen verbündeten russischen Kräfte in der Provinz Idlib oder der benachbarten Provinz Aleppo getötet worden.
Syrische Truppen rückten weiter in das an die Türkei grenzende und von Islamistenmilizen beherrschte Rebellengebiet vor, sagte die Beobachtungsstelle. Über getötete Islamistenkämpfer berichtete sie nicht. Die Beobachtungsstelle hat ihren Sitz in Großbritannien und stützt sich auf ein Netzwerk von Informanten in Syrien. Ihre Angaben sind von unabhängiger Seite oft kaum zu überprüfen.
Idlib ist nach fast neun Jahren Bürgerkrieg in Syrien die letzte große Stellung syrischer Rebellen. Die Region wird von einer Miliz kontrolliert, die dem Terrornetzwerk Al-Kaida nahesteht. Russland und der Iran als Unterstützer der syrischen Regierung sowie die Türkei als Unterstützer der Islamisten hatten Idlib 2017 zu einer sogenannten Deeskalationszone erklärt. Zuletzt hatten die syrische Armee und ihr Verbündeter Russland ihre Angriffe auf die Region verstärkt und größere Geländegewinne für sich verbucht. Dabei hatte es immer wieder schwere Luftangriffe und Artilleriebeschuss gegeben.