Der erste Jubel brandete um 19.52 Uhr auf, noch bevor in New Hampshire die Wahllokale ihre Türen geschlossen hatten. Bei Bernie Sanders' Wahlparty liefen auf einer großen Leinwand die ersten Teilergebnisse ein und der linke Senator aus Vermont führte deutlich.  

Eine Woche nach dem Wahlchaos in Iowa stand am Dienstag die zweite Vorwahl der Demokraten an, und vor allem für Sanders war New Hampshire wichtig, um seinen Status als Mitfavorit zu konsolidieren. Vor vier Jahren hatte er seine damalige Gegnerin Hillary Clinton hier mit mehr als zwanzig Prozentpunkten Vorsprung geradezu deklassiert und entwickelte sich zum ernst zu nehmenden Herausforderer. Auf einen ähnlichen Schub für seine Kampagne hoffte Sanders auch am Dienstag.

New Hampshire: Ergebnis der Vorwahl

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Ob ihm das gelingen würde, war über den Abend jedoch lange unklar. Der 50-jährige Jonathan, der den Tag über für Sanders an Türen klopfte, sagte am Rande der Wahlveranstaltung: "Er sollte hier deutlich gewinnen." So deutlich, wie die ersten Zahlen vermuten ließen, wurde es dann aber doch nicht. 25,9 Prozent holte Sanders und gewann die Vorwahl, vor Mitbewerber Pete Buttigieg mit nur 1,5 Prozentpunkten Vorsprung. In der Turnhalle in Manchester, in der Sanders seine Anhänger versammelt hatte, feierte man trotzdem. 

Fast gleichzeitig mit den Eilmeldungen der großen Medien über seinen Sieg trat Sanders im Kreis seiner Familie um kurz nach 23 Uhr auf die Bühne und verkündete unter dem tosenden Applaus seiner Anhänger trotz des knappen Ergebnisses: "Dieser Sieg ist der Anfang vom Ende von Donald Trump."

US-Demokraten - Bernie Sanders gewinnt Vorwahlen in New Hampshire Der linke Senator Bernie Sanders konnte sich bei der Vorwahl im Bundesstaat New Hampshire die meisten Delegiertenstimmen sichern. Sanders sprach vom Ende der "Ära Trump". © Foto: Mike Segar/Reuters

Doch auch andernorts war die Stimmung gut. Pete Buttigieg, der bei den Delegiertenstimmen in Iowa knapp vorn lag, konnte auch am Dienstag feiern. Der Lokalpolitiker aus Indiana holte 24,4 Prozent der Wählerstimmen und wiederholte sein überraschend gutes Abschneiden aus der vergangenen Woche. Der 38-Jährige bewies somit, dass sein Erfolg keine Ausnahmeerscheinung war. Die Wähler hätten gezeigt, dass seine Kampagne, "von der einige sagten, sie sollte überhaupt nicht existieren", nicht so bald verschwinden werde.  Neben Buttigieg konnte sich am Dienstagabend auch Amy Klobuchar freuen. Nach einem starken Auftritt bei der TV-Debatte am Freitag holte die Senatorin aus Minnesota in New Hampshire 19,7 Prozent.

Bidens Kampagne ist in der Krise

Der große Verlierer des Abends ist erneut Joe Biden. Nur 8,4 Prozent der Wähler gaben dem ehemaligen Vizepräsidenten ihre Stimme. Dessen Auftritte wirken in den vergangenen Wochen immer lustloser. Zudem leistete sich Biden einen peinlichen Fehltritt. Am Dienstagnachmittag, als die Wahllokale in New Hampshire noch geöffnet waren, verließ er vorzeitig den Staat, um nach South Carolina zu reisen, wo Ende Februar die übernächsten Vorwahlen stattfinden. Statt bis zuletzt zu kämpfen und zumindest am Abend bei seiner eigenen Wahlparty mit Unterstützern zu feiern, verschwand Biden. Während der Nachrichtensender CNN am Abend zwischen den Wahlpartys der verbliebenen Kandidaten in New Hampshire hin und her schaltete, zeigte der Bildschirm bei Bidens Rede die Ortsmarke Columbia in South Carolina. Dort gab der 76-Jährige sich dann allerdings wieder kämpferisch: "Wir haben erst zwei Bundesstaaten gehört", sagte er vor Anhängern. Die Vorwahlen stünden erst am Anfang.

Doch Bidens Kampagne ist in der Krise. Das wird nach New Hampshire immer deutlicher. Im Umfragemittel von FiveThirtyEight hat Sanders inzwischen die Führung übernommen und selbst in South Carolina, wo Biden auf die Stimmen der dort lebenden Afroamerikaner hofft, schmilzt dessen Vorsprung seit Wochen zusammen. Noch immer hat er laut FiveThirtyEight dort allerdings fast elf Prozentpunkte Vorsprung zu Sanders. Ein klarer Sieg ist für ihn fast Pflicht, um seinen Anspruch auf die Nominierung zu untermauern.

Große Verliererin des Abends ist auch Elizabeth Warren. Die Senatorin aus Massachusetts war angetreten, um den radikal linken Parteiflügel um Sanders mit dem Parteiestablishment zu versöhnen. Gelungen ist ihr das nicht. Nach einem noch respektablen dritten Platz in Iowa folgte in New Hampshire der Absturz. Nur 9,3 Prozent holte sie im Nachbarstaat – eine Niederlage mit Symbolwert. Am frühen Abend verkündete die 70-Jährige mit trauriger Stimme vor ihren Anhängern, dass Buttigieg und Sanders besser abgeschnitten hätten als sie. "Aber es gibt noch 55 Staaten und Überseegebiete zu gewinnen", sagte Warren. Doch hinter den Kulissen geht ihr das Geld aus. Nach dem Iowa Caucus zog sie TV-Werbung im Wert von 375.000 Dollar zurück und kündigte an, dass sie von nun an sorgfältiger mit ihren Finanzen umgehen müsse.

Sanders' sozialdemokratische Ideen sind nicht mehrheitsfähig

Die nun folgenden Vorwahlen in Nevada und South Carolina könnten die Rangfolge der Kandidaten jedoch kräftig durcheinanderwürfeln, weil dort im Gegensatz zu Iowa und New Hampshire wesentlich mehr People of Colour mit anderen Politikpräferenzen leben. Außerdem sind die Staaten weniger wohlhabend als Iowa und New Hampshire. Biden liegt dort wie erwähnt vorn und könnte punkten. Seinem Gegner im Kampf um moderate Wähler Buttigieg droht dort dagegen eine große Niederlage. Laut FiveThirtyEight liegt er in South Carolina nur bei knapp sieben Prozent – vor allem, weil schwarze Wähler ihn kaum unterstützen.

Auf einen Aufschwung kann dagegen Bernie Sanders hoffen, der nun in zwei Bundesstaaten hintereinander erfolgreich war – obwohl sich große Teile der Medien darüber einig sind, dass dessen sozialdemokratische Ideen in der US-Bevölkerung nicht mehrheitsfähig sind. Als Vorwahlsieger und Führender in den Umfragen zieht er in die kommenden Vorwahlen. 

Allerdings fiel der Sieg weniger deutlich aus, als es die Umfragen in den vergangenen Wochen vermuten ließen. Den Besuchern der Wahlparty in einer Turnhalle in Manchester war die Erleichterung darüber anzumerken, dass ihr Kandidat überhaupt gewonnen hatte. Aber: "Ein bisschen enttäuscht bin ich doch", räumt Jonathan ein. "Wir hätten Bernie hier gern einen noch größeren Schub mitgegeben."