So hatte Michael Bloomberg sich seinen ersten großen Auftritt vermutlich nicht vorgestellt. Bereits nach wenigen Minuten wurde der 78-Jährige im TV-Duell der Demokraten am Mittwochabend in Las Vegas das erste Mal angegangen. Bernie Sanders hielt dem ehemaligen Bürgermeister von New York City rassistische Polizeipraktiken aus seiner Amtszeit vor. "Vor allem Latinos und schwarze Männer haben Sie sich vorgenommen", sagte Sanders und ging damit auf die unter Bloomberg eingeführte umstrittene Polizeistrategie  stop and frisk ("anhalten und durchsuchen") ein.

Bloomberg schaute versteinert und überging das Thema zunächst weitgehend. Es gehe ja um die Frage, wie man Donald Trump schlagen könne und wie man politische Erfolge zustande bringe, sagte Bloomberg. Seine Antwort klang vorgestanzt und wenig überzeugend. Ihm dürfte an diesem Abend klar geworden sein, dass er in solchen Situationen weit weniger Kontrolle über seine politische Botschaft hat als in seinen Werbespots, die in hoher Frequenz fast im überall im Land laufen.

Der Multimilliardär aus New York ist erst vor wenigen Wochen in den Wahlkampf eingestiegen. Getragen von einer privat finanzierten, Hunderte Millionen Dollar teuren Werbekampagne hat er sich in den Umfragen nun jedoch so weit nach oben gekämpft, dass die Demokratische Parteiführung ihn für die Debatte mit den fünf anderen Kandidaten, die sich für die Teilnahme qualifiziert hatten, zuließ. In Nevada findet am Samstag die dritte Vorwahl der Demokraten statt. Doch um die Probleme vor Ort ging es in der Debatte kaum. Bloomberg, der den Wahlkampf mit seinem Geld aufmischt, stand im Zentrum und wurde von seinen Mitbewerbern angegangen.

Vor allem Elizabeth Warren, die Bloomberg im Vorfeld der Debatte bereits als "Egomanen" bezeichnet hatte, ließ den Milliardär nicht vom Haken und griff ihn an: "Wir treten hier gegen einen Milliardär an, der Frauen als fette Bräute und Lesben mit Pferdegesicht bezeichnet", sagte Warren. "Und nein, es geht nicht um Donald Trump, sondern um Bürgermeister Bloomberg", fügte sie hinzu, nachdem in den vergangenen Wochen mehrere Medien über sexistische Äußerungen des Präsidentschaftskandidaten berichtet hatten. In Bloombergs Nachrichtenagentur soll ein von ihm verursachtes Klima der sexuellen Belästigung und der Abwertung von Frauen geherrscht haben. Bloomberg selbst soll sich regelmäßig selbst sexuell abwertend über Frauen geäußert haben.

Das Publikum buhte

Warren konfrontierte ihn auch mit den Schweigeverträgen, die Bloomberg mit Frauen bezüglich Anschuldigungen wegen Geschlechterdiskriminierung und sexueller Belästigung abgeschlossen hat. Da kam Bloomberg erst recht ins Wanken und stammelte, dass es sich ja um Frauen handeln könnte, "die nur einen meiner Witze nicht mochten". Das Publikum raunte und buhte, noch bevor Bloomberg seine Antwort beendet hatte. Es war insgesamt ein schwacher Auftritt des Mannes, der im politisch zersplitterten Bewerberfeld als Späteinsteiger noch die Nominierung erhaschen will. Der Kritik seiner Gegner hatte Bloomberg wenig entgegenzusetzen. Das Argument, er sei widerstandsfähig genug, um gegen Trump anzutreten, wirkt nach diesem Abend erst einmal widerlegt.

Abgesehen vom Alle-gegen-Bloomberg-Spiel spulten die Kandidaten ihr übliches Programm ab. Amy Klobuchar, moderate Senatorin aus Minnesota, gab sich als Mahnerin gegen eine allzu weitreichende Gesundheitsreform und erntete mit Volksweisheiten und Witzen einige Lacher. Ex-Vizepräsident Joe Biden verhaspelte sich häufig und wies wiederholt auf die eigenen Erfolge der Vergangenheit hin, Pete Buttigieg arbeitete sich an Sanders ab, dessen politische Vorhaben aus seiner Sicht unrealistisch sind.