Megan Ramsey stapft mit ihren braunen Stiefeln durch den unberührten Schnee. Etwa 15 Zentimeter liegen am Samstagmorgen in Sutherland, die meisten der rund 600 Bewohner haben ihre Einfahrt nicht freigeschaufelt. Ramsey klopft an die Haustür eines weiß gestrichenen Hauses. Von drinnen ruft es: "Herein!" Im Wohnzimmer sitzt ein älterer Mann in einem Sessel. "Ich gehöre zum Wahlkampfteam von Bernie Sanders", sagt Ramsey, "und ich wollte Sie fragen, ob Sie am Montag am Caucus teilneh..." – noch bevor sie ausgesprochen hat, faucht der alte Mann "Hau ab hier". Megan Ramsey tritt wieder nach draußen. "Nun, das war eine deutliche Absage", sagt sie trocken und stapft zurück zur Straße.

Megan Ramsey, 31 Jahre alt, rotbraunes Haar, weiß so einiges über das Leben als Wahlkämpferin in Iowa: Man müsse gut auf die Hundehaufen in den Einfahrten achten. "Und man sollte immer drei Paar Socken dabei haben!", sagt sie, reiner Erfahrungswert. Selbst durch ihre dichtesten Winterstiefel dringt irgendwann das kalte Wasser, wenn sie manchmal acht Stunden lang von Haustür zu Haustür geht, um in einem der ländlichsten Gegenden Iowas Wahlkampf zu machen.

In weniger als 60 Stunden beginnt der Iowa Caucus, die erste Vorwahl für die Präsidentschaftsnominierung der US-Demokraten, und Megan Ramsey läuft im Nordwesten Iowas immer noch durch den Schnee, um Stimmen für Bernie Sanders einzuwerben. Der linke Senator aus Vermont führt in den Umfragen und kann sich berechtigte Hoffnungen auf den Sieg machen. Seit zwanzig Jahren hat jeder Demokrat, der Iowa gewonnen hat, auch die Präsidentschaftsnominierung errungen. Wer jetzt also Iowa gewinnen wird, hat auch beste Chancen, im November gegen Donald Trump anzutreten. Entsprechend groß ist auch der Medientrubel rund um den Caucus, das erste große Ereignis des Wahljahres, vor allem in der Landeshauptstadt Des Moines. Seit Monaten touren die Präsidentschaftskandidaten durch die größeren Städte Iowas, um die Wählerinnen und Wähler von sich zu überzeugen.

Nicht jeder kann das auf dem Land: Megan Ramsey ist die Frau für schwierige Wahlbezirke. © Jörg Wimalasena für ZEIT ONLINE

In Sutherland, im Nordwesten des Bundesstaates, spürt man an diesem Samstag davon allerdings kaum etwas. An dem einen oder anderen Hauseingang haben Anhänger der Präsidentschaftskandidaten Pete Buttigieg oder Elizabeth Warren Aufkleber und Flyer angebracht. Ansonsten gibt es keinerlei Anzeichen dafür, dass an diesem Ort am kommenden Montag eine Wahl stattfindet, die für das ganze Land relevant sein könnte.

"Viele Stimmen gibt es hier nicht zu holen", sagt Megan Ramsey, während sie in ihrem grauen Nissan durch den Ort fährt, der eigentlich nur aus einem knappen Dutzend Straßenzügen besteht. Ein weißer Wasserturm mit rotem Streifen thront über der Gemeinde, ansonsten gibt es hier wenig zu sehen. Von den vielen Haustüren, an die die Wahlkämpferin an diesem Tag klopft, werden nur wenige geöffnet. Und wer doch die Tür aufmacht, gibt meist zu erkennen, dass er sich für die Wahl nicht interessiert. Eine ältere Dame mit einem Kruzifix an einer Kette nimmt an diesem Morgen zwar freundlich lächelnd den blauen Bernie-Flyer entgegen, doch am Caucus teilnehmen will sie nicht.

Wer hier Wahlkampf machen will, betreibt viel Aufwand für wenige Stimmen. Megan Ramsey ist trotzdem hier, in Sutherland. Sie selbst stammt aus dem ländlichen Tennessee, lebt seit Jahren schon in Denver – fühlt sich aber dem Amerika abseits der Metropolen verbunden. Schon 2016 hat sie für Sanders Wahlkampf im konservativen Louisiana gemacht. Auch dort war es keine einfache Aufgabe. Ramsey übernimmt freiwillig die schweren Wahlbezirke, die abseits der Metropolen liegen, wo die Wähler konservativ sind oder sich gar nicht erst für Politik interessieren. "Ich gehe dahin, wo ich gebraucht werde", sagt sie pragmatisch.

US-Wahlkampf - Die erste Vorwahl im Präsidentschaftsrennen der USA Am Montagabend beginnt im kleinen US-Bundesstaat Iowa der Wahlkampf der Demokraten. Als Favoriten gelten Senator Bernie Sanders und der ehemalige Vizepräsident Joe Biden. © Foto: Reuters TV