Zwei Tage nach seinem Freispruch im Impeachment-Verfahren hat US-Präsident Donald Trump einen weiteren Belastungszeugen entlassen. Gordon Sondland, Botschafter bei der EU, muss seinen Posten räumen. Er sei darüber informiert worden, dass US-Präsident Donald Trump ihn mit sofortiger Wirkung abberufen wolle, hieß es in einer Erklärung des EU-Botschafters, aus der die New York Times zitierte. Sondland war einer der wichtigsten Zeugen im Amtsenthebungsverfahren gegen Trump und hatte den Präsidenten mit seiner Aussage belastet. Er hatte im Impeachment-Verfahren im November bestätigt, dass ein Empfang Selenskyjs im Weißen Haus von der Ankündigung ukrainischer Ermittlungen gegen Biden und die Demokraten abhängig gemacht wurden. Außerdem kam Sondland zu dem Schluss, dass Trump eine Militärhilfe für Kiew ebenfalls von diesen Ermittlungen abhängig gemacht habe. "Es war ein Quidproquo", sagte Sondland im November vor dem US-Kongress.

Unmittelbar vor Sondlands Abberufung am Freitag hatte der US-Präsident bereits den Sicherheitsexperten Alexander Vindman entlassen, der Schlüsselzeuge in der Ukraine-Affäre. Vindman, Ukraine-Experte des Nationalen Sicherheitsrates, wurde nach Angaben seines Anwalts am Freitag aus dem Weißen Haus eskortiert. Er hatte im vergangenen Jahr ein Telefonat zwischen Trump und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj als unangemessen empfunden und seine Bedenken dem Anwalt des Nationalen Sicherheitsrats mitgeteilt. "Es war unangebracht, es war unangemessen vom Präsidenten, eine Untersuchung eines politischen Gegners zu erbitten, einzufordern", sagte Vindman damals. Bei dem Telefonat vom 25. Juli soll Trump den ukrainischen Staatschef zu Ermittlungen gegen den früheren US-Vizepräsidenten Joe Biden gedrängt haben.

Laut Medienberichten wurde auch Vindmans Zwillingsbruder Yevgeny, der ebenfalls im Nationalen Sicherheitsrat arbeitete, entlassen. Der demokratische Senator Ron Wyden nannte die Entlassungen bei Twitter eine "kleinliche Vergeltung" für das Aussprechen der Wahrheit.

Nancy Pelosi, die Sprecherin des Repräsentantenhauses, kritisierte Trump ebenfalls. "Die beschämende Entlassung von Oberstleutnant Vindman war ein klarer und dreister Akt der Rache, der die Angst des Präsidenten vor der Wahrheit zum Ausdruck bringt." Der führende Anklagevertreter des Repräsentantenhauses, Adam Schiff, sagte: "Das sind die Handlungen eines Mannes, der glaubt, über dem Gesetz zu stehen."

Der US-Senat, in dem Trumps Republikaner die Mehrheit haben, hatte den Präsidenten am Mittwoch von allen Anklagepunkten im Impeachment-Verfahren freigesprochen. Nach monatelangen Ermittlungen und einem fast dreiwöchigen Prozess im Senat ist das Amtsenthebungsverfahren damit vorbei. Hintergrund war die Ukraine-Affäre gewesen: Trump soll Selenskyj zu Ermittlungen gegen seinen demokratischen Rivalen Joe Biden gedrängt haben, um die US-Präsidentenwahl 2020 zu seinen Gunsten zu beeinflussen.

Am Donnerstag hatte Trump vor Kabinettsmitgliedern, hochrangigen Republikanern und Unterstützern im Weißen Haus das Ende des Amtsenthebungsverfahren mit einer Rede gefeiert. Kurz zuvor hatte seine Sprecherin Stephanie Grisham gesagt, dass Trump den Anlass nutzen werde, um darüber zu sprechen, wie entsetzlich er behandelt worden sei – "und dass vielleicht Leute dafür bezahlen sollten".