Der venezolanische Präsident Nicolás Maduro hat angekündigt, den selbst ernannten Übergangspräsidenten Juan Guaidó festnehmen zu lassen. Es fehle lediglich eine gerichtliche Anordnung für eine Inhaftierung des Oppositionsführers. "Am Tag, an dem die Gerichte der Republik eine entsprechende Anordnung erlassen, geht er ins Gefängnis, seien Sie sicher", antwortete Maduro auf die Frage eines US-Reporters bei einer Pressekonferenz in Venezuelas Hauptstadt Caracas.

"Dieser Tag ist noch nicht gekommen. Aber er wird kommen", sagte Maduro. Guaidó werde wegen all der Delikte, die er begangen habe, festgenommen werden.

Am Mittwoch war bekannt geworden, dass Guaidós Onkel Juan José Márquez wegen Schmuggels von "gefährlichen Materialien" verhaftet worden ist. Daraufhin warf Guaidó Maduro vor, seinen Onkel nur zu benutzen, um ihn zu drohen. 

Tags zuvor ist Guaidó nach einer dreiwöchigen Auslandsreise nach Venezuela zurückgekehrt. Damit hatte er einem von den Behörden ausgesprochenen Ausreiseverbot zuwidergehandelt. Bei seiner Ankunft kam es am Dienstag am Flughafen von Caracas zu Auseinandersetzungen zwischen oppositionellen Abgeordneten und Unterstützern von Maduros autoritärer Regierung. Guaidó besuchte bei der Reise unter anderem Kolumbien, die USA und die Europäische Union. In den USA war er von US-Präsident Donald Trump im Weißen Haus, in der EU von dem Europaparlament empfangen worden, wo er weitere Sanktionen gegen Venezuela forderte.

USA und EU stehen hinter Guaidó

Die USA hatten Maduro mit "sehr bedeutenden Konsequenzen" gedroht, falls Guaidó nach seiner Rückkehr zu Schaden kommen sollte. Die US-Regierung gehört zu den größten Unterstützern des Oppositionspolitikers und ehemaligen Parlamentspräsidenten. Als erstes Land hatten die USA Guaidó als venezolanischen Präsidenten anerkannt, als er sich vor einem Jahr dazu ausrief und Maduro damit offen herausforderte. Auch gegenüber einem möglichen militärischen Eingreifen der USA hatte sich Guaidó offen gezeigt. Seitdem haben 50 weitere Staaten, darunter Deutschland, Guaidó als Übergangspräsident anerkannt.

Anlass für Guaidós Rebellion gegen Maduro war ein langer Streit zwischen dem Präsidenten und dem Parlament. Maduro hatte bei den Wahlen 2015 eine Niederlage erlitten und regiert seitdem ohne Mehrheit, 2017 ließ er das Parlament vom ihm gegenüber loyalen Obersten Gericht entmachten und entzog den Abgeordneten die Immunität. 

Maduro hält sich weitestgehend dank der Unterstützung des Militärs sowie Russlands und Chinas an der Macht. Aufgrund niedriger Ölpreise, maroder Infrastruktur und Missmanagement von Maduros Regierung herrscht in seinem Land seit 2013 eine schwere Wirtschaftskrise, die seit 2018 zusätzlich von US-Sanktionen befeuert wird. 2015 verhängte Barack Obama erste Sanktionen gegen Personen in Maduros Staatsapparat, Donald Trump ließ ab 2017 die Wirtschaft sanktionieren, etwa durch Verbote des Kaufs venezolanischer Staatsanleihen. 

2019 weiteten die USA ihre Sanktionen auf den Ölsektor Venezuelas aus, von dem das Land mit den weltgrößten Erdölreserven existenziell abhängt. 90 Prozent der Staatseinnahmen Venezuelas stammten ursprünglich aus dem Ölexport, die USA waren der wichtigste Handelspartner des Landes. Die humanitäre Lage in Venezuela ist katastrophal, die Lebensmittelpreise sind aufgrund einer Hyperinflation von zeitweise 130.000 Prozent so gut wie unbezahlbar. Das Land hatte bereits 2013 mit fast 80 Prozent die höchste Armutsquote weltweit. Mehr als vier Millionen der 30 Millionen Venezolaner haben das Land verlassen.