Für Pete Buttigieg läuft der Wahlkampf gut, das wird an diesem Sonntag in Nashua klar. Über mehrere Blocks reicht die Schlange vor der Elm Street Middle School, bei Minustemperaturen stehen die Anhänger des früheren Lokalpolitikers hier geduldig an, um den Mann zu sehen, der beim chaotischen Iowa-Caucus vergangene Woche knapp die meisten Delegiertenstimmen holte. Nach Iowa findet in New Hampshire an diesem Dienstag die zweite Vorwahl der US-Demokraten für die Nominierung zur Präsidentschaftskandidatur statt. Und Buttigieg ist in den Umfragen nach oben geklettert, seit er in Iowa noch am Wahlabend seinen Sieg erklärt hatte – obwohl das Endergebnis erst am Freitag feststand.

Entsprechend selbstbewusst präsentiert sich der 38-Jährige nun. Der in Wählerbefragungen in New Hampshire inzwischen abgeschlagene Ex-Vizepräsident Joe Biden hatte den ehemaligen Bürgermeister der 100.000-Einwohner-Stadt South Bend (Indiana) in einem Wahlwerbespot zuletzt für seine mangelnde Erfahrung verspottet, in Nashua schlägt Buttigieg vor geneigtem Publikum zurück: "Die Antworten werden nicht aus Washington D.C. kommen, sie müssen nach Washington D.C. kommen." Die Menge jubelt.

Doch nicht nur Biden bekommt einen Seitenhieb ab. Vor allem gegen Bernie Sanders, den linken Senator aus Vermont, richtet Buttigieg an diesem Morgen seine Angriffe. Einer seiner Mitbewerber wisse nicht einmal, wie teuer seine Gesundheitsreform wäre, sagt Buttigieg in Anspielung auf Sanders' billionenteuren Vorschlag, eine allgemeine Krankenversicherung einzuführen. Dessen Klassenkämpfer-Rhetorik kann er ebenfalls wenig abgewinnen: "Wir können nicht riskieren, das Land weiter zu teilen", sagt Buttigieg.

Moderat für die Mitte oder links für die Arbeiter?

Nach seinem Erfolg in Iowa ist Buttigieg zumindest für den Moment Sanders' Verfolger Nummer eins geworden. Der liegt zwar in New Hampshire in den Befragungen vorn, doch im Umfragemittel von RealClearPolitics trennen die beiden nur noch knapp fünf Prozentpunkte, vor Iowa waren es noch fast 13 gewesen. Die Vorwahl an diesem Dienstag könnte so zum Zweikampf werden. Seit Biden in Iowa nur den vierten Platz belegte, ist die öffentliche Aufmerksamkeit vor allem auf Sanders und Buttigieg gerichtet. In New Hampshire haben beide die Chance, ihm die Favoritenrolle für die Kandidatennominierung endgültig abzunehmen.

Buttigieg und Sanders – dieses Duell steht beispielhaft für die Konflikte innerhalb der Demokratischen Partei. Hier der junge gut gebildete Moderate aus dem Mittleren Westen und dort der 78-jährige Sozialist, der mit radikalen Plänen eine treue Anhängerschaft aufgebaut hat. Es geht um die Frage, ob die Partei – wie seit Jahrzehnten – mit wirtschaftsfreundlichen Moderaten um die Wähler der politischen Mitte werben oder sich als linke Arbeiterpartei neu erfinden, also vor allem bisherige Nichtwähler anziehen will. Buttigieg steht für die erste und Sanders für die zweite Variante.

"Die Eliten haben der arbeitenden Bevölkerung den Klassenkampf angesagt"

An diesem Sonntag treten die Unterschiede der beiden besonders deutlich hervor. Eineinhalb Autostunden von Nashua entfernt tritt Sanders in Claremont im Westen von New Hampshire auf. Nur knapp 400 Besucher sind gekommen, allerdings liegt die Kleinstadt auch weit entfernt von den großen Einzugsräumen Neuenglands. Sanders spricht wie bei jeder seiner Veranstaltungen an diesem Tag von einer Revolution und wettert gegen Eliten und Großkonzerne. Es falle ihm schwer, sich zu entscheiden, wessen Gier größer sei, die Gier der Wall Street oder der Gesundheitsindustrie, poltert er.

New Hampshire leidet stark unter der Opioidkrise. Unter anderem aufgrund der massiven Werbung der Gesundheitsindustrie sind Millionen US-Amerikaner medikamentenabhängig. "Sie werden zur Rechenschaft gezogen werden", kündigt Sanders an. Mit einer allgemeinen Krankenversicherung für alle will er der mächtigen Branche entgegentreten, die mit überhöhten Behandlungs- und Medikamentenkosten die Bevölkerung ausnutze. "Die Eliten haben der arbeitenden Bevölkerung den Klassenkampf angesagt", ruft Sanders gewohnt lautstark – und diesen Klassenkampf müsse nun die Arbeiterschaft gewinnen.