US-Demokraten - Bernie Sanders gewinnt Vorwahlen in New Hampshire Der linke Senator Bernie Sanders konnte sich bei der Vorwahl im Bundesstaat New Hampshire die meisten Delegiertenstimmen sichern. Sanders sprach vom Ende der "Ära Trump". © Foto: Mike Segar/Reuters

Amerikas Demokraten schätzen Geschichten vom Untergang, da sind sie und Deutschlands Sozialdemokraten seelenverwandt. Es geht für die Demokraten, bei Parteitagen und im Wahlkampf, stets um fürchterliche Gefahren, die abgewehrt werden müssen, um die Rettung, die nur von links kommen kann, woher denn sonst. Ganz besonders schätzen, nein: lieben sie das Epos vom eigenen Tod – das beliebteste ihrer vielen Dramen handelt von der Selbstzerstörung.

Das Vertrackte und zugleich Faszinierende an dieser Version der Apokalypse ist: Wenn alle verstrickt sind, wenn alle gemeinsam den eigenen Untergang herbeiführen, woher soll dann nur die Retterin kommen; oder der Retter? Die zweite Vorwahl in New Hampshire bietet einige Erkenntnisse, vor allem nach der Vorwahl in Iowa, die den Demokraten durch die chaotische Stimmenauszählung vollkommen missraten war.

Warren und Biden haben kaum noch Chancen

Bernie Sanders, der 78 Jahre alte Senator aus Vermont und selbst ernannter "demokratischer Sozialist", gewann mit 25,8 Prozent und hat nun fraglos die größten Chancen, der demokratische Kandidat zu werden. Er wird also in den kommenden Wochen den progressiven Parteiflügel vertreten, denn Elizabeth Warren, seine Gegnerin auf dem linken Parteiflügel, wurde nur abgeschlagene Vierte, mit 9,3 Prozent. Dabei hätte die Senatorin aus Massachusetts im Nachbarstaat New Hampshire siegen müssen, um später in südlichen Bundesstaaten wie Alabama oder South Carolina überhaupt Chancen zu haben.

Auf der anderen Seite, auf dem moderaten Parteiflügel, stürzt der ehemalige Vizepräsident Joe Biden noch grausamer ab: 8,4 Prozent und Platz fünf sind peinlich für jenen Mann, dessen einzige Versprechen Würde und Wählbarkeit ("Ich werde Donald Trump besiegen") waren. Auf Platz zwei, knapp hinter Sanders, landete der einzige Aufsteiger im Feld der demokratischen Kandidaten: Der 38-jährige Pete Buttigieg, einst Bürgermeister von South Bend in Indiana, holte 24,4 Prozent. Und auf Platz drei, gleichfalls überraschend stark, die Senatorin Amy Klobuchar aus Minnesota mit 19,7 Prozent.

Das Feld wird nun rapide kleiner werden: Tom Steyer, Andrew Yang und Tulsi Gabbard sind ab jetzt ohne Perspektive und werden kein weiteres Geld verbrennen und sofort aussteigen (Yang hat sich bereits verabschiedet). Auch Warren hat nun keine Chance mehr auf das Weiße Haus, Biden nur noch dann, wenn er am Ende des Februars in South Carolina siegt.

Immer wieder Sanders – oder doch Bloomberg?

Sanders gegen Buttigieg – dies könnte also das Duell der kommenden Monate sein, links außen also oder ein Kurs der Mitte. Oder, gleichfalls möglich, aber nicht ganz so wahrscheinlich: Sanders gegen Klobuchar. Oder, in der Partei jedenfalls wird darüber geredet: Buttigieg und Klobuchar finden früh zueinander und besiegen Sanders gemeinsam. Oder, schließlich: Michael Bloomberg überholt am Ende alle. Der frühere New Yorker Bürgermeister hatte sich erst spät zur Kandidatur entschlossen und stellt sich erstmals am 3. März zur Wahl. 

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Was bedeutet das nun für die eigentliche Präsidentschaftswahl, für den Kampf der Demokraten gegen Donald Trump? Hier hilft ein Blick auf die Untergangsgeschichten dieser Tage, auf die vier apokalyptischen Thesen der Demokraten.

1. "Donald Trump wird sowieso wiedergewählt."
Das ist Stuss.
Natürlich ist es aus mehreren Gründen möglich, dass Trump eine zweite Amtszeit bekommt: Er ist selbstgewiss, seine Anhänger sind ihm treu ergeben, die wirtschaftlichen Daten der USA – von der enormen Verschuldung abgesehen – sind robust und der Präsident kann sich auf seine Partei verlassen. Die Republikaner haben sich ihm unterworfen, sehen über Lügen, Korruption, Nepotismus hinweg – weil eben auch Trump sich der Partei unterworfen hat, nun straff gegen Abtreibung, gegen Amerikas Sozialsysteme, gegen Regulierung jedweder Art, gegen Steuern für Konzerne und Reiche sowie gegen Klimaschutz vorgeht. Hinzu kommt: Trumps Wahlkampfteam und die Partei werden im Herbst 2020 ein Bollwerk sein, endlos Geld zur Verfügung haben. Anders als noch 2016, als Trump ein politischer Dilettant war, der trotzdem gewählt wurde, da er Instinkt für Gefühle und Themen hatte.

Trumps Wiederwahl ist deshalb denkbar, aber sie steht nicht fest. Denn beliebt ist der Präsident nicht. Millionen von Menschen verachten ihn, sind die Skandale und den Lärm seiner Regierungszeit leid. Bis zur Wahl sind es noch mehr als acht Monate und wenn die Demokraten einen ebenso professionellen wie leidenschaftlichen Wahlkampf führen, können sie – ähnlich wie 2008 oder 2012 – flächendeckend gewinnen.