Abgesehen von den Schul- und Uni-Schließungen hat Macron deutlich weniger Maßnahmen angekündigt als sein italienischer Kollege Guiseppe Conte. Der öffentliche Nahverkehr soll weiterhin fahren, Unternehmen sollen, wenn möglich, ihre Angestellten ins Homeoffice schicken. Auch das Verbot von Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Teilnehmenden wurde bislang nicht verschärft. Familien sollten versuchen, ihre Angehörigen im Altenheim nicht zu besuchen – auch wenn es einem das "Herz bricht," so Macron in seiner ungewohnt pathetischen Ansprache. Der 42-Jährige lobte mit großen Worten die "solidarische Seele der Nation", die "Pflicht jedes Einzelnen" und dass "alle Franzosen zusammen durchhalten werden."

Alle Anstrengungen gelten nun den Krankenhäusern, das ist die wichtigste Botschaft Macrons. Sie müssten auf einen Ansturm von Patienten vorbereitet werden. "Wir danken unseren Helden in den weißen Anzügen, die selbstlos unsere Nation aufrechterhalten", so Macron. Er forderte Studierende der Medizin und kürzlich verrentete Medizinerinnen und Mediziner auf, in dieser "besonderen Lage" in die Krankenhäuser zurückzukehren.

Das Problem ist nur: Eigentlich streiken französische Ärztinnen und Pfleger seit Monaten, um mehr Personal und eine bessere Ausstattung der Krankenhäuser zu erkämpfen. Die meisten haben ihren Arbeitskampf nun unterbrochen – aber sie bezeugen weiterhin, wie schwer die Krankenhäuser in der Vergangenheit kaputtgespart und immer mehr Betten reduziert wurden. In den vergangenen 15 Jahren sind laut eines offiziellen Berichts des Pariser Gesundheitsministeriums rund 70.000 Betten in Frankreichs Krankenhäusern eingespart worden – nun sind es nur noch 400.000.
Keine guten Voraussetzungen, um mit einer außergewöhnlichen Belastung fertigzuwerden.

Macron hat nun versprochen – "koste es, was es wolle" – Personal und Krankenhäuser zu unterstützen. "Wir werden massiv die Kapazitäten für eine Aufnahme im Krankenhaus vorbereiten. So sind wir auf eine zweite Welle vorbereitet, wenn möglicherweise auch mehr junge Menschen aufgenommen werden müssen." Schon am Donnerstagmorgen hat die Pariser Regierung alle Krankenhäuser in Frankreich angewiesen, nicht dringliche Operationen zu verschieben und Betten für Patienten mit dem Coronavirus zu reservieren. Das Wichtigste sei es jetzt, wiederholte Macron mehrfach, "Zeit zu gewinnen." Dann werde die "französische Nation" gestärkt und solidarisch aus dieser Krise hervorgehen.