Die EU-Grenzschutzbehörde Frontex schickt Verstärkung an die griechisch-türkische Grenze. Auf Bitten des Landes habe Frontex veranlasst, zusätzliche Beamte und Ausrüstung in die Grenzregion zu entsenden, teilte eine Frontex-Sprecherin mit. Außerdem sei die Alarmstufe bei Frontex für alle EU-Grenzen zur Türkei auf "hoch" angehoben worden. 

An der türkisch-griechischen Grenze haben sich Tausende Flüchtlinge versammelt, um in die EU zu gelangen. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hatte am Samstag angekündigt, Flüchtlinge in Richtung EU passieren zu lassen. "Wir haben die Tore geöffnet", sagte er. Als Konsequenz verschärften die benachbarten EU-Staaten Griechenland und Bulgarien ihre Maßnahmen zur Grenzsicherung. Die griechische Polizei setzte am Samstag Tränengas ein, um die Flüchtlinge zurückzudrängen.

EU-Migrationskommissar Margaritis Schinas forderte angesichts der Lage an der griechisch-türkischen Grenze eine baldige Sondersitzung der EU-Innenminister. Er habe die Bitte an die kroatische Regierung gerichtet, die derzeit die EU-Präsidentschaft innehat, teilte er auf Twitter mit. Zudem berate er mit der EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, der EU-Innenkommissarin Ylva Johansson und dem griechischen Regierungschef Kyriakos Mitsotakis über die Situation.

Boote mit Migranten erreichen Lesbos

Der griechische Verteidigungsminister Nikos Panagiotopoulos warf der Türkei vor, die Entwicklung an der gemeinsamen Grenze organisiert zu haben. Nach einem Besuch bei den Grenztruppen am Fluss Evros sagte er im griechischen Fernsehen: "Wir werden weiterhin die Einheiten stärken." Nach Angaben der Regierung in Athen sollen seit Samstagmorgen fast 10.000 Flüchtlinge an einem "illegalen" Grenzübertritt gehindert worden sein. Zudem seien am Samstag und Sonntag mehr als 130 Migranten festgenommen worden. Das griechische Außenministerium warf der Türkei auf Twitter eine "Desinformationskampagne" vor.

Zahlreiche Migranten versuchten außerdem, auf Booten nach Griechenland zu gelangen. Allein auf der Insel Lesbos sollen am Sonntagvormittag rund 400 Flüchtlinge angekommen sein, meldeten griechische Medien mit Berufung auf die Küstenwache. Außerdem hätten 58 Menschen die Insel Chios erreicht und 30 die Insel Samos.

Die bulgarische Regierung teilte am Sonntag mit, bisher seien keine Migranten illegal über die türkisch-bulgarische Grenze gekommen. Verteidigungsminister Krassimir Karakatschanow bezeichnete die Lage im Grenzgebiet als "ruhig". Bis zu 1.100 Soldaten könnten bei Bedarf an die Grenze zur Türkei geschickt werden. Der Verteidigungsminister bestätigte außerdem, dass sich Bulgariens Regierungschef Boiko Borissow am Montag mit dem türkischen Präsidenten Erdoğan treffen werde, um über die Lage in Syrien und die Migration zu sprechen.

Frontex hat nach eigenen Angaben bereits knapp 400 Mitarbeiter auf den griechischen Inseln und 60 weitere in Bulgarien stationiert. Ein kleines Kontingent halte sich auf griechischer Seite an der Grenze zur Türkei auf. Außerdem beobachtet die EU-Grenzschutzagentur nach eigenen Angaben die Lage auf Zypern.