Der rechte Blogger Oliver Flesch ist auf der griechischen Insel Lesbos mit linken Demonstranten aneinandergeraten. Gemeinsam mit zwei weiteren Männern hatte er am Samstag bei einer antifaschistischen Demonstration in der Inselhauptstadt agitiert, berichtet die Inselzeitung Sto Nisi. Daraufhin hätten Demonstranten sie gejagt; die Polizei habe eingegriffen.

Flesch schreibt dazu auf seinem Facebook-Account: "Wir wurden von etwa 20 bis 25 Antifa-Anhängern eingekesselt." Er bedankte sich bei der griechischen Polizei, "die uns da rausgeholt hat".

Am Samstag war aus bisher unbekannter Ursache ein Gemeinschaftszentrum der Schweizer Organisation One Happy Family niedergebrannt. Womöglich handelt es sich um Brandstiftung. Flesch soll am Ort des Feuers behauptet haben, die Gebäude seien niedergebrannt, weil sie einer Hilfsorganisation gehörten, die illegale Einwanderer aus der Türkei ins Land brächte.

Spendenaufruf via Twitter

Die Organisation One Happy Family schreibt auf ihrem Facebook-Account, der Schaden sei groß: "Das Schulgebäude ist komplett niedergebrannt, einige kleinere Gebäude auch, und unsere Büros ebenfalls. Niemand wurde verletzt, aber mehr können wir im Moment nicht sagen." Der Grünen-Europaabgeordnete Erik Marquardt, der sich derzeit auf der Insel aufhält, nannte den Brand auf Twitter ein "Versagen des Rechtsstaats, eine Kapitulation Europas vor den Faschisten". Er rief zu Spenden für das Gemeinschaftszentrum auf.  

Es sei ein "Skandal, dass es hier keinen Polizeischutz gibt für die Hilfsorganisationen", sagte Marquardt dem Nachrichtenportal t-online. "Das sind die Leute, die jahrelang versucht haben, die Lücken des Staates zu schließen, die sich hier um Menschenrechte gekümmert haben." Jetzt überlasse man sie "den rechten Banden, die hier offenbar gezielt versuchen, alles niederzubrennen, was in den letzten Jahren an Menschlichkeit aufgebaut wurde."     

Helfer verlassen die Insel

Tatsächlich versuchen auf Lesbos Bewohner der Insel und zahlreiche auswärtige Rechtsradikale seit Tagen, Flüchtlinge an der Ankunft zu hindern – auch mit Gewalt. Sie greifen unter anderem Hilfsorganisationen und Journalisten an. Manche Hilfsorganisationen haben ihre Einrichtungen aus Sicherheitsgründen vorübergehend schließen müssen, ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Insel verlassen.

Am Freitag war eine deutsche Gruppe Rechtsradikaler auf Lesbos gesichtet worden, von denen einer von Inselbewohnern am Kopf verletzt worden war. Sie sollen zum Teil der Identitären Bewegung angehören, die zum rechtsextremistischen Spektrum gezählt wird. Schon vor einer Woche war ein nicht mehr genutztes Begrüßungszentrum der Vereinten Nationen für Geflüchtete auf der Insel in Brand gesetzt worden. 

Seitdem die Türkei ihre Grenzen zur EU geöffnet hat, sind mehr als 1.700 Menschen mit Booten nach Lesbos gekommen. Auf der Insel harren bereits 38.000 Geflüchtete unter katastrophalen Umständen in überfüllten Lagern aus. Angesichts der Notlage haben deutsche Kommunen angeboten, eine begrenzte Anzahl besonders schutzbedürftiger Menschen – vor allem Kinder – aus Griechenland aufzunehmen. Auch manche Bundesländer signalisieren Bereitschaft. Die Grünen und die Linkspartei fordern ebenfalls, eine begrenzte Zahl besonders schutzbedürftiger Geflüchteter nach Deutschland reisen zu lassen. Doch weil die Bundesregierung eine europäische Lösung bevorzugt, gibt es darüber noch keine Einigung.

Die Situation an der griechisch-türkischen Grenze bleibt weiterhin angespannt. Immer wieder kam es zu Angriffen mit Tränengas, Rauchbomben und Blendgranaten, die von der türkischen Seite aus über den Zaun geschossen wurden, wie griechische Medien berichteten. Für Aufregung sorgen in Griechenland zudem Aufnahmen einer Wärmebildkamera der griechischen Polizei. In der Nacht zum Samstag wurde damit ein gepanzertes Fahrzeug beim Versuch gefilmt, den Grenzzaun einzureißen, um den Flüchtlingen und Migranten den Weg nach Europa freizuräumen.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Textes hieß es, dass Oliver Flesch zusammen mit dem AfD-Fraktionsvorsitzenden in Sachsen-Anhalt, Oliver Kirchner, auf Lesbos war. Inzwischen hat Kirchner der Nachrichtenagentur dpa gesagt, dass er noch nie auf Lesbos oder in Griechenland war. Auch die Informationen der Inselzeitung "Sto Nisi" über die Aktivitäten einer Gruppe am abgebrannten Gemeinschaftszentrum ließen sich laut dpa bis Sonntagnachmittag nicht überprüfen. Wir haben die betreffenden Stellen korrigiert und bitten den Fehler zu entschuldigen.