Der ukrainische Ministerpräsident Oleksij Hontscharuk hat nach knapp einem halben Jahr im Amt erneut seinen Rücktritt eingereicht. Das teilte eine Abgeordnete mit und fügte hinzu, der Schritt sei Teil einer umfassenden Regierungsumbildung. Es wäre der erste Regierungsumbau seit der Amtsübernahme des prowestlichen Präsidenten und Hoffnungsträgers Wolodymyr Selenskyj, der versprochen hat, das Land aus der Krise zu führen und vor allem den Krieg in der Ostukraine zu beenden. Dort kämpfen ukrainische Regierungstruppen gegen prorussische Separatisten.

Nach Angaben der Abgeordneten Galyna Jantschenko, die zu Selenskyjs Partei gehört, würden auch der ukrainische Außenminister und der Finanzminister ihre Posten aufgeben. Beobachter erwarten, dass es auch einen neuen Verteidigungsminister geben könnte. Der mögliche Umbau erfolgt in einer heiklen Phase für die Ukraine. Das Land bemüht sich gerade um Finanzhilfen des Internationalen Währungsfonds.

Von Selenskyi oder Hontscharuk gab es bisher keine Stellungnahme. Medien in der Hauptstadt berichteten aber, der ukrainische Parlamentschef habe bestätigt, ein Rücktrittsgesuch Hontscharuks erhalten zu haben.

Am Mittwoch will das ukrainische Parlament auf einer Sondersitzung darüber entscheiden, ob der Regierungschef ausgewechselt wird. Präsident Selenskyj hatte die Sitzung bereits in der vergangenen Woche angesetzt und will selbst dort anwesend sein. Laut Abgeordneten hat die Partei beschlossen, den Rücktritt Hontscharuks anzunehmen und ihn durch Vizeregierungschef Denys Schmygal zu ersetzen. Als neuer Außenminister ist nach Angaben der Regierungspartei Dmitri Kuleba im Gespräch. Er ist bisher Vizeministerpräsident und zuständig für europäische Integration.

Es ist nicht das erste Mal, dass die ukrainische Regierung brüchig wirkt. Schon im Januar hatte Hontscharuk seinen Rücktritt angeboten, weil er über den Präsidenten gelästert hatte. Damals war ein Audiomitschnitt von ihm aufgetaucht, in dem er erklärt hatte, Selenskyj habe von Wirtschaft keine Ahnung. Selenskyj hatte das Rücktrittsgesuch zu der Zeit jedoch abgelehnt mit der Begründung, dem 35-Jährigen eine zweite Chance geben zu wollen.