Eine von der Türkei und Russland ausgehandelte Waffenruhe für die syrische Provinz Idlib hält zunächst weitgehend. Dies berichten Aktivisten und Oppositionsvertreter. So teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit, kurz nach Inkrafttreten der Feuerpause um Mitternacht (Ortszeit) herrsche in der Region eine "relative" Ruhe. Weder die syrische Regierungsarmee noch die mit ihr verbündeten russischen Verbände hätten ihre Luftangriffe in Idlib fortgesetzt. Nur wenige Minuten vor Beginn der Waffenruhe habe es allerdings noch Bombardements in der Region gegeben. Die in Großbritannien ansässige Aktivistenorganisation stützt sich auf ein Netzwerk von Informanten vor Ort.

"Wir sehen in den ersten Stunden bei allen Kriegsparteien eine gespannte Ruhe", sagte wiederum ein Oppositionsvertreter. Jeder sei sich bewusst, dass ein Verstoß Konsequenzen haben würde. "Es ist aber eine sehr fragile Waffenruhe."

Russlands Präsident Wladimir Putin und der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdoğan hatten sich bei einem Treffen am Donnerstag in Moskau auf die Waffenruhe geeinigt. Es soll zudem einen Sicherheitskorridor entlang einer strategisch wichtigen Autobahn geben.

UN hoffen auf dauerhaften Waffenstillstand

UN-Generalsekretär António Guterres äußerte die Hoffnung, dass die Feuerpause in eine dauerhafte Einstellung der Kämpfe mündet. Die Bevölkerung in Idlib habe bereits "enormes Leiden" hinter sich, sagte Guterres in New York. Er forderte die Konfliktparteien zur Einleitung eines politischen Prozesses auf, um einen permanenten Stopp der Kämpfe zu erreichen.

Der deutsche Außenminister Heiko Maas rief die Konfliktparteien auf, die Waffenruhe einzuhalten. "Beide Seiten haben kein Interesse daran, dass dieser Konflikt ein türkisch-russischer wird", sagte der SPD-Politiker im Deutschlandfunk. Die Einigung sei "überfällig" gewesen. Nun komme es darauf an, dass das Abkommen auch eingehalten werde.

Wenn die Waffenruhe halte und Russland seinen Einfluss auf die Regierung des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad durchsetze, werde es Hilfsorganisationen möglich sein, den Menschen in Idlib zu helfen. "Das wäre eine sehr, sehr positive Entwicklung", sagte Maas. Die Vereinten Nationen begönnen nun mit beiden Seiten Gespräche, wie diese Hilfe umgesetzt werden könne. Maas kündigte zudem an, das Thema im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen aufzurufen.

Waffenstillstand in Idlib - Erdoğan und Putin beschließen Waffenruhe Die Regierungschefs der Türkei und Russlands haben sich auf eine Waffenruhe in Idlib geeinigt. Sie wollen sich dafür einsetzen, dass diese auch eingehalten wird. © Foto: Sputnik Photo Agency/Reuters

Krisentreffen der EU-Außenminister in Zagreb

Russland und die Türkei unterstützen in dem Konflikt die verfeindeten Parteien. Moskau steht an der Seite der syrischen Regierungstruppen, deren Gegner werden teilweise von der Türkei unterstützt. In Idlib gehen die Truppen des syrischen Machthabers Baschar al-Assad mit russischer Unterstützung seit Dezember massiv gegen die letzten Stellungen islamistischer Milizen vor. Knapp eine Million Menschen ist seitdem nach UN-Angaben in die Flucht getrieben worden.

Die Türkei startete ihrerseits vor einigen Tagen eine große Militäroffensive gegen die Regierungstruppen in der Region, nachdem bei einem syrischen Luftangriff auf türkische Beobachterposten 34 Soldaten getötet worden waren. Kurz vor Inkrafttreten der Waffenruhe wurden in Idlib zwei weitere türkische Soldaten bei Beschuss durch die syrische Regierungsarmee getötet, wie das Verteidigungsministerium in Ankara mitteilte.

An diesem Freitag beraten die EU-Außenminister bei einem Krisentreffen über die Situation in Syrien. Die Beratungen in Zagreb waren kurzfristig angesetzt worden, nachdem sich die Lage in der syrischen Provinz zuletzt immer weiter verschärft hatte.