In der Ukraine sind offenbar brisante Telefonmitschnitte des demokratischen US-Präsidentschaftsbewerbers Joe Biden aufgetaucht. Bei den Tonspuren handelt es sich angeblich um Gespräche aus der Zeit, als Biden noch Vizepräsident war. Darin soll Biden unter anderem mit dem ehemaligen ukrainischen Staatschef Petro Poroschenko über Personalfragen in der Staatsanwaltschaft der Ukraine diskutiert haben. Die USA sollten auch die Finanzierung einer Parlamentspartei einstellen, hieß es darin.
Poroschenkos Gegner sehen dies als Beweis für eine direkte Einmischung in die ukrainische Innenpolitik. Der Parlamentsabgeordnete Andrej Derkatsch hatte die Aufzeichnungen veröffentlicht. Die Gespräche aus den Jahren 2015 und 2016 seien von Poroschenko selbst aufgenommen und auf unbekanntem Wege Journalisten zugespielt worden, sagte er.
Biden hatte sich bereits im Januar 2018 damit gebrüstet, dass der als korrupt geltende ukrainische Generalstaatsanwalt Viktor Schokin auf seine Anweisung hin gefeuert worden sei. Im Gegenzug erhielt Kiew 2016 einen zurückgehaltenen Kredit über eine Milliarde US-Dollar.
US-Präsident Donald Trump warf Biden – ohne Beweise – vor, dass er mit der Entlassung Schokins seinen Sohn Hunter Biden vor Korruptionsermittlungen in der Ukraine geschützt haben soll. Hunter saß jahrelang im Verwaltungsrat der ukrainischen Gasfirma Burisma – auch in der Zeit, als sein Vater als Stellvertreter von Ex-Präsident Barack Obama für die Ukraine-Politik zuständig war. Biden bestreitet die Anschuldigungen.
Weil Trump auf Ermittlungen in der Ukraine gegen die Bidens gedrängt hat, hatten die Demokraten im Repräsentantenhaus eine Untersuchung zu einem möglichen Amtsenthebungsverfahren gegen den Präsidenten eingeleitet. Trump soll in einem Telefongespräch mit dem amtierenden ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj belastendes Material gegen Biden im Austausch für Militärhilfe in Millionenhöhe verlangt haben. Im Februar wurde Trump in dem Verfahren freigesprochen.