Donald Trump genießt es sichtlich. Endlich ist er wieder dort, wo er sich wohlfühlt: auf einer Bühne umgeben von seinen treuesten Anhängern. "We love you", wir lieben dich, skandieren die Zuschauer in Sanford im US-Bundesstaat Florida irgendwann. Keine halbe Stunde hat der Präsident da geredet – am Anfang noch etwas heiser –, und schon badet Trump in der Menge. Küsse würde er am liebsten an alle seine Anhänger verteilen, an die Männer und die schönen Frauen, sagt Trump.
Natürlich aber steigt Trump nicht von seinem Podest herunter. Es ist kaum vorstellbar, wie der Präsident, der doch immer eine durchaus große Distanz zwischen sich und den ersten Stuhlreihen lässt, wirklich nah an die Menschen herantritt, die ihn am 3. November noch einmal wählen sollen. Den Wahlkampfklassiker "Kandidat mit Baby auf dem Arm" hat Trump eigentlich nicht im Programm.
Aber es ist ein für den Wahlkämpfer Trump entscheidendes Bild. Der genesene Präsident, immun gegen das Virus, der Umarmungen und Küsse verteilt. Denn darum geht es bei dem ersten öffentlichen Wahlkampfauftritt seit Trumps Corona-Infektion: sich stark, kraftvoll und unverwundbar zu zeigen. Nur eine Stunde bevor Trump die Bühne in einem Flugzeughangar betritt, ließ sein Arzt Sean Conley mitteilen, Schnelltests auf das Coronavirus seien bei dem Präsidenten an "aufeinanderfolgenden Tagen" negativ ausgefallen.
Und so scherzt der 74-Jährige bei seinem Auftritt darüber, dass er ja nicht zur Risikogruppe der Alten gehöre, weil er jung sei. Vorsichtige Worte im Umgang mit dem Virus hat der Präsident auch nach seinem Krankenhausaufenthalt nicht gefunden. Masken sind bei seinem Publikum, das zeigen die Fernsehbilder, auch bei diesem Auftritt wieder die Ausnahme. Zwar sagt Trump in Sanford, alle, die nicht rausgehen wollten in dieser Zeit, sollten zu Hause bleiben. Aber alle anderen ermutigt Trump, das Leben wieder in vollen Zügen zu genießen. Die Wirtschaft müsse wieder laufen, die Schulen wieder öffnen. So wie in Florida. Der Bundesstaat ist einer der wichtigsten umkämpften Swing States, die Trump gewinnen muss, will er eine zweite Amtszeit erreichen. Nicht ohne Grund absolviert der 74-Jährige hier seinen ersten großen Auftritt außerhalb des Weißen Hauses.
Und der republikanische Senator Ron DeSantis handelt ganz in Trumps Sinne. Ende September etwa ließ DeSantis alle Bars und Restaurants wieder ohne Beschränkungen öffnen. Dass die Infektionszahlen im Staat wieder ansteigen, erwähnt der Präsident nicht. Überhaupt, die Zahlen. Für die mehr als 210.000 Toten im Land trage China die Verantwortung. Nicht seine Regierung. Und die Demokraten sind in den von ihnen regierten Staaten laut Trump schuld daran, dass während der Pandemie mehr Menschen durch Alkohol- und Drogenmissbrauch sterben. "Das Heilmittel darf nicht schlimmer sein als die Krankheit", sagt Trump. Er verdreht alles für seine zentrale Corona-Botschaft: der fehlerlose Präsident, der alles für die Wiederöffnung des Landes tut.
Die Mauer in Zehn-Meilen-Schritten
Der Rest des einstündigen Auftritts des Präsidenten ist dann eine Aneinanderreihung seiner bekannten Parolen. Es geht gegen die vermeintlich radikale Linke, die das Land zerstören werde, sollte Joe Biden Präsident werden. Aus dem Amerikanischen Traum werde ein sozialistischer Albtraum und die Waffen würden außerdem allen Bürgern genommen.
Ebenso bekannt: die Liste der Versprechen, die der Präsident gehalten hat. Die Mauer, die in Zehn-Meilen-Schritten pro Tag gebaut wird, die Kriminellen, die seine Regierung deportiert hat, die beste Wirtschaft, die das Land je gesehen hat, die Steuersenkungen, die Deregulierung, der Ausstieg aus dem Iran-Deal. Es wird alles heruntergerattert, was die Menge hören will. Und da springt Trump dann auch schon mal von dem ersten Menschen auf dem Mars, der natürlich ein Amerikaner sein wird, zu einer patriotischen Bildung, die seine Regierung an die Schulen des Landes zurückbringen werde. Damit Schüler endlich wieder "Respekt für unsere großartige amerikanische Flagge" lernen.
Was Trump an diesem Abend aber auch zeigt, ist eine gewisse Nervosität. Seine Rallyes ähneln sich in Aufbau und Ablauf immer, inklusive der Playlist. Aber selten hat der Präsident so oft dazu aufgerufen, wählen zu gehen. "Go vote", immer wieder sagt Trump das, weist sogar auf das Early Voting hin, das in Florida am kommenden Montag beginnt. Der Präsident weiß, dass er in den nationalen Umfragen hinter Biden zurückliegt und er die Begeisterung seiner Wähler nicht nur bei seinen Auftritten braucht. Sondern auch im Wahllokal.
"Wir werden Florida gewinnen, wir werden Amerika wieder groß machen", ruft Trump also noch, bevor er zu Village Peoples YMCA von der Bühne abtritt. Nächste Station an diesem Dienstag: Johnstown, Pennsylvania. Ein Swing State.
Donald Trump genießt es sichtlich. Endlich ist er wieder dort, wo er sich wohlfühlt: auf einer Bühne umgeben von seinen treuesten Anhängern. "We love you", wir lieben dich, skandieren die Zuschauer in Sanford im US-Bundesstaat Florida irgendwann. Keine halbe Stunde hat der Präsident da geredet – am Anfang noch etwas heiser –, und schon badet Trump in der Menge. Küsse würde er am liebsten an alle seine Anhänger verteilen, an die Männer und die schönen Frauen, sagt Trump.
Natürlich aber steigt Trump nicht von seinem Podest herunter. Es ist kaum vorstellbar, wie der Präsident, der doch immer eine durchaus große Distanz zwischen sich und den ersten Stuhlreihen lässt, wirklich nah an die Menschen herantritt, die ihn am 3. November noch einmal wählen sollen. Den Wahlkampfklassiker "Kandidat mit Baby auf dem Arm" hat Trump eigentlich nicht im Programm.