Mit neuen Regeln für Twitter,
Facebook und andere soziale Medien hat die türkische Regierung deutliche Kritik auf sich gezogen. Eine nun gültige Gesetzespassage mache
Social-Media-Anbieter zum "langen Arm der türkischen Justiz", sagte der
Cyberrechts-Aktivist Yaman Akdeniz. Er
empfehle keinem Anbieter, Geschäfte in einem "derart feindlichen Umfeld
wie der Türkei" zu machen. Emma Sinclair-Webb von Human Rights Watch
sagte, das Gesetz sei der Versuch, eine deutlich stärkere Zensur
durchzusetzen, als man sie bisher gesehen habe.
Das türkische Parlament hatte im Juli ein Gesetz verabschiedet, das soziale Medien einer schärferen Kontrolle unterzieht. Es verpflichtet Plattformen unter anderem dazu, innerhalb von 48 Stunden auf Anfragen zur Löschung oder Sperrung bestimmter Inhalte zu reagieren.
Seit Donnerstag gilt nun die Regelung,
dass Anbieter mit täglich mehr als einer Million türkischen Nutzern
Niederlassungen in der Türkei mit einem türkischen Staatsbürger als
Vertreter eröffnen müssen. Möglich ist auch die Vertretung durch eine
juristische Person. Wird kein Vertreter angemeldet, drohen Strafen.
Klassische Medien bereits unter Regierungskontrolle
Türkische Medien stehen zum Großteil unter direkter oder indirekter Kontrolle der Regierung, auch die Kontrolle über Inhalte im Internet wurde immer wieder verstärkt. Die Regierung geht regelmäßig wegen regierungskritischer Inhalte im Internet gegen Nutzer vor.
Mit dem Gesetz können
Inhalte nun nicht nur gesperrt, sondern auch gelöscht werden. Für beides
braucht es aber das Urteil eines Richters oder eines Gerichts. Die
Möglichkeit des Löschens sei die drakonischste Maßnahme, sagte Cyberrechts-Aktivist Akdeniz.
Kritische Berichterstattung im Netz sei sehr lebendig in der Türkei,
Menschen würden über Social Media an wichtige Informationen kommen,
sagte Sinclair-Webb. "Alle machen alles auf Social Media."
Regierungspartei: deutsches Anti-Hass-Gesetz als Vorbild
Von Seiten der islamisch-konservativen Regierungspartei AKP hieß es, mit dem Gesetz wolle man gegen Beleidigungen und Belästigungen im Netz vorgehen. Die türkische Regierung argumentiert, man folge mit dem Gesetz dem Beispiel europäischer Länder wie Deutschland. Abgeordnete sagten, das deutsche Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG) habe als Vorbild gedient.
Das 2017 erlassene NetzDG verpflichtet Internet-Plattformen zu einem härteren Vorgehen gegen Hass, Hetze und Terror-Propaganda. Klar strafbare Inhalte müssen binnen 24 Stunden gelöscht werden, auf Nutzerbeschwerden soll nach spätestens 48 Stunden reagiert werden. Zudem müssen die Unternehmen alle sechs Monate einen Bericht über ihren Umgang mit Beschwerden veröffentlichen.
Die Situation in Deutschland sei jedoch eine
völlig andere, hieß es von Human Rights Watch. Im Gegensatz zur Türkei gebe
es etwa eine unabhängige Justiz und Gewaltenteilung. Auch das Auswärtige Amt stellt der Türkei bei der Wahrung demokratischer Grundrechte ein
vernichtendes Zeugnis aus. Die Justiz sei "in weiten Teilen
dysfunktional" und teils politisch beeinflusst, heißt es in einem
vertraulichen "Bericht über die asyl- und abschiebungsrelevante Lage".
Präsident
Recep Tayyip Erdoğan hatte Anfang Juli für eine stärkere Kontrolle
sozialer Medien plädiert. "Diese Kanäle, in denen es von Lügen,
Beleidigungen, Angriffen auf das Persönlichkeitsrecht und Rufmorden
wimmelt, müssen reguliert werden", sagte er.
Mit neuen Regeln für Twitter,
Facebook und andere soziale Medien hat die türkische Regierung deutliche Kritik auf sich gezogen. Eine nun gültige Gesetzespassage mache
Social-Media-Anbieter zum "langen Arm der türkischen Justiz", sagte der
Cyberrechts-Aktivist Yaman Akdeniz. Er
empfehle keinem Anbieter, Geschäfte in einem "derart feindlichen Umfeld
wie der Türkei" zu machen. Emma Sinclair-Webb von Human Rights Watch
sagte, das Gesetz sei der Versuch, eine deutlich stärkere Zensur
durchzusetzen, als man sie bisher gesehen habe.