Heute in zwei Wochen ist die Schlacht geschlagen. Dann weiß die Welt, ob die Vereinigten Staaten weiter von Donald Trump regiert werden oder künftig von Joe Biden. Selten war die Alternative so klar, schlugen die Wellen der Auseinandersetzung höher. Doch gerade beim konfliktträchtigsten außenpolitischen Thema, den Beziehungen zu China, könnte es eine erstaunliche Kontinuität geben.

Erstaunlich, weil das Verhältnis zwischen den Regierungen in Peking und Washington unter Trump einen Tiefpunkt erreicht hat. Der US-Präsident hat einen Handelskrieg vom Zaun gebrochen und erinnert mit seinen Tiraden gegen das "China-Virus" unablässig daran, dass sich die Corona-Krise vom zentralchinesischen Wuhan rund um den Globus ausgebreitet hat. Man könnte meinen, nichts wünsche die chinesische Führung sehnlicher als ein Verschwinden Trumps aus dem Weißen Haus.

Aber dem ist nicht so. Trump mag eine Zumutung sein, impertinent, launenhaft und erratisch. Er ist roh und ein Rüpel, will alles für sich und für Amerika. Und er ist kein Mann von Prinzipien. Was allerdings auch heißt: Mit ihm kann man jederzeit Geschäfte machen.

Biden könnte der unangenehmere Partner sein

Zwar hat Trump die Unterdrückung der Uiguren oder den Abbau des Rechtsstaats in Hongkong verurteilt, seine Regierung hat sogar Sanktionen gegen die Verantwortlichen verhängt, bis hin zu einem Mitglied des Pekinger Politbüros. Aber nie hatte man den Eindruck, der Schutz von Demokratie und Menschenrechten sei ihm ein persönliches Anliegen. Wenn denn stimmt, was sein ehemaliger Nationaler Sicherheitsberater John Bolton schreibt, hat er die Verfolgung der Uiguren im Gespräch mit Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping sogar unterstützt.

Welthandel - Warum gibt es Handelskonflikte? Der Handelsstreit zwischen USA und China, den weltweit größten Volkswirtschaften, ist immer noch nicht beigelegt. Das Video erklärt den Auslöser und mögliche Folgen. © Foto: Liza Arbeiter

Biden könnte sich als prinzipienfester und schon deshalb als der unangenehmere Partner erweisen. Er kennt Xi Jinping gut. Bevor dieser an die Spitze von Partei und Staat trat, besuchte er die USA. Biden, damals Vizepräsident unter Barack Obama, war sein Gastgeber. Die beiden sprachen viele Stunden miteinander. Als Xi dann in Amt und Würden war, besuchte Biden ihn. Die beiden hatten also viel Zeit, um sich ein Bild voneinander zu machen.

Umso bemerkenswerter war eine Äußerung Bidens während einer Debatte der Demokraten im amerikanischen Vorwahlkampf. "Dies ist ein Kerl, der nicht einen demokratischen – mit kleinem 'd' – Knochen im Leib hat. Dieser Kerl ist ein Schläger (a thug)", sagte Biden im Februar dieses Jahres. Donald Trump dagegen hat Xi Jinping immer geschmeichelt, nannte ihn einen "guten Freund".

Worin sich beide Präsidentschaftskandidaten einig sind, worin Republikaner und Demokraten übereinstimmen: Die Großmachtrivalität mit China ist die größte strategische Herausforderung der USA. Fast ein halbes Jahrhundert lang, seit dem historischen Besuch Richard Nixons in China 1972, war es Ziel der amerikanischen Politik, China in das internationale System zu integrieren und auf diesem Weg das Land auch im Inneren zu liberalisieren. Diese Politik der Einbindung, des engagement, gilt heute parteiübergreifend als gescheitert.