Großbritannien will sein Asylrecht deutlich verschärfen. Die britische Regierung brachte einen Gesetzentwurf im Unterhaus ein, der unter anderem Abweisungen von Migrantinnen und Migranten auf See vorsieht. Asylbewerber sollen zudem in Auffangzentren in "sicheren Drittstaaten" geschickt werden können, während ihre Anträge bearbeitet werden. Der Vorschlag ist äußerst umstritten.

Das Gesetzesvorhaben der konservativen Regierung sieht auch Strafen von bis zu vier Jahren Gefängnis für jene vor, die "wissentlich" ohne Erlaubnis nach Großbritannien kämen. Eine solche Einreise würde damit als Verbrechen eingestuft. Asylsuchende, die hingegen auf erlaubten Routen ins Land kommen, sollen bei der Bearbeitung ihrer Anträge bevorzugt werden. Hintergrund für das Vorhaben der konservativen Regierung von Premierminister Boris Johnson ist eine Rekordzahl illegal eingereister Migranten.

Innenministerin Priti Patel bezeichnete die Gesetzespläne als ein "faires, aber hartes" Mittel, um ein ineffektives Asylsystem zu kitten. "Zu lange hat unser kaputtes Asylsystem die Taschen der bösartigen kriminellen Gangs gefüllt, die das System austricksen", sagte sie. Dies sei weder fair für die verletzlichen Menschen, die Schutz benötigten, noch für die britische Öffentlichkeit, die dafür bezahle. Daher sei es an der Zeit, zu handeln.

Menschenrechtler kritisierten, dass das geplante Gesetz vor Gewalt und Verfolgung fliehende Menschen bestrafe. Es werde das Recht auf Asyl untergraben, warnte die Menschenrechtsorganisation Amnesty International.

Illegale Migration zu bekämpfen gehört zu den Prioritäten der konservativen britischen Regierung nach dem Brexit. "Take back control of our borders", also die Kontrolle über die eigenen Grenzen zurückzugewinnen gehörte zu den Versprechen beim Austritt aus der EU. Die Europäische Union streitet weiterhin über eine gemeinsame Asylpolitik.

In diesem Jahr erreichten bislang 6.000 Geflüchtete das Vereinigte Königreich. Für viele ist Nordfrankreich der Startpunkt, seit Langem werden entweder Lastwagen für die Flucht durch den Eurotunnel genutzt oder Fähren. Weil die Auflagen in der Coronavirus-Pandemie allerdings die Möglichkeiten einschränken, sich in Fahrzeugen und auf Schiffen zu verstecken, weichen viele auf von Schmugglern organisierte Kleinboote aus. Auch das Sommerwetter veranlasst mehr Menschen, die gefährliche Überfahrt auf sich zu nehmen.