Nach der Räumung des provisorischen Migrantencamps in der texanischen Stadt Del Rio haben die USA den dortigen Grenzübergang nach Mexiko wieder geöffnet. Das teilte die US-amerikanische Zoll- und Grenzschutzbehörde mit. Die Neuerung gelte zunächst für den Reiseverkehr, ab Montag auch für den Frachtverkehr. Der Grenzübergang war vor rund einer Woche geschlossen worden.
In Del Rio hatten fast 15.000 Haitianer unter einer Brücke kampiert in der Hoffnung, einen Weg in die USA zu finden. Die USA hatten aber den Grenzübergang geschlossen und Tausende Haitianer per Flugzeug in die haitianische Hauptstadt Port-au-Prince abgeschoben. Tausende weitere zogen sich nach Mexiko zurück. Viele der geflüchteten Menschen aus Haiti hatten zuvor jahrelang nicht in Haiti, sondern in anderen Ländern Süd- und Mittelamerikas im Exil gelebt.
Für Empörung hatte bei vielen Beobachtern gesorgt, dass US-Grenzschützer zu Pferden haitianische Migranten am Grenzfluss auf aggressive Weise zurücktrieben. US-Präsident Joe Biden nannte den Einsatz skandalös und kündigte Konsequenzen an. Haitis Premierminister Ariel Henry mahnte in einer Videobotschaft an die UN-Vollversammlung die Wahrung der Rechte der Migrantinnen und Migranten an. "Väter und Mütter werden immer versuchen, ihren Kindern ein besseres Leben zu ermöglichen", sagte er. "Es wird immer Migration geben, solange Menschen in ihren Ländern keine Chance auf ein besseres Leben sehen."
Hunderte wollen sich durch Dschungel in Panama in die USA durchschlagen
Hunderte Migranten haben derweil im Norden Kolumbiens ein Zeltlager aufgeschlagen, um sich durch den dichten Dschungel nach Panama und weiter in die USA durchzuschlagen. Einem Bericht der Nachrichtenagentur AFP zufolge kampierten am Samstag fast 500 Menschen auf einem Hügel vor dem Darién-Urwald, darunter auch Dutzende Kinder. Die Migranten stammen aus Haiti und haben zuletzt in Brasilien, Chile oder Argentinien gelebt, nachdem sie nach dem verheerenden Erdbeben 2010 aus Haiti geflüchtet waren. Im Darién-Urwald gibt es keine befestigten Straßen. Zudem sind in dem weitgehend unerschlossenen Regenwald Drogenbanden und Giftschlagen eine Gefahr.
Haiti steckt aktuell in einer schweren Krise. Teile des armen Karibikstaates werden von bewaffneten Banden kontrolliert. Anfang Juli wurde Präsident Jovenel Moïse in seiner Residenz erschossen. Die Hintergründe des Anschlags sind noch immer unklar. Zudem wird Haiti immer wieder von Naturkatastrophen getroffen. Bei einem schweren Erdbeben Mitte August kamen mehr als 2.200 Menschen ums Leben, mehr als 50.000 Häuser wurden zerstört Hilfslieferungen und Einsatzkräfte gelangten nur langsam in die abgelegene Region im Südwesten des Landes.
Brasilien sagte zu, die Aufnahme von Menschen aus Haiti unter bestimmten Voraussetzungen zu prüfen. Nach verheerenden Erdbeben 2010 waren Tausende Haitianer nach Brasilien gezogen, das damals einen wirtschaftlichen Aufschwung erlebte. Diskriminierung und die Folgen der Corona-Pandemie haben sie nun Medienberichten zufolge Richtung Norden ziehen lassen.