Russland erhöht nach den Worten von Präsident Wladimir Putin seine Gaslieferungen nach Europa. Russland nutze dabei auch verstärkt Pipelines in der Ukraine, sagte Putin. Die Gaslieferungen nach Europa könnten in diesem Jahr auf einen Rekordwert steigen. Für die zuletzt stark ansteigenden Gaspreise macht der russische Staatschef die Europäer verantwortlich.

Russland sei bereit, zur Stabilisierung der Lage der weltweiten Gasmärkte beizutragen, sagte Putin. Sein Land sei für Europa und Asien ein zuverlässiger Lieferant. Kunden in Europa hätten mit der Hinwendung zu sogenannten Spotmärkten Fehler gemacht.

Die Gaspreise sind in den vergangenen Monaten explodiert. Der Brennstoff ist knapp und die Speicher sind nicht so stark gefüllt wie im vergangenen Jahr. Die Nachfrage ist nach dem Höhepunkt der Corona-Krise und der weltweiten Konjunkturerholung deutlich gestiegen. Zudem gehen viele Lieferungen nach Asien, wo die Gaslieferanten noch höhere Preise als in Europa erzielen können.

Russland weist Vorwurf der künstlichen Verknappung zurück

Zuletzt waren Anschuldigungen laut geworden, wonach Russland absichtlich Gaslieferungen zurückhalte, um Druck auf den Westen auszuüben. Für die Inbetriebnahme der umstrittenen Gaspipeline Nord Stream 2 fehlt noch die Zertifizierung deutscher Behörden.

Einer der Gründe, weshalb die Preise aktuell stark anstiegen, sei die Kündigung von "langfristigen Verträgen" seitens der Europäer zugunsten des Handels an Rohstoffbörsen, sagte Putin bei einer im Fernsehen übertragenen Debatte mit Vertretern der russischen Energiebehörden. "Es hat sich herausgestellt, und heute ist das ganz offensichtlich, dass dies eine falsche Politik ist", sagte Putin weiter.

Ein Sprecher von Putin wies die Vorwürfe einer künstlichen Verknappung der Gaslieferungen durch Russland zurück. "Russland hat all seine Verpflichtungen unter gültigen Verträgen erfüllt, erfüllt sie jetzt noch und wird sie auch weiter erfüllen", sagte der Sprecher.

Die Preise auf europäischen Gasmärkten waren am Mittwoch teilweise sprunghaft angestiegen, an den europäischen und britischen Referenzmärkten erreichten sie neue Rekordwerte. Putins Ankündigung zusätzlicher Gaslieferungen sorgte für Entspannung am Energiemarkt. Der europäische Terminkontrakt auf Erdgas verbilligte sich um 9,5 Prozent auf 105 Euro je Megawattstunde, nachdem er zuvor ein Rekordhoch von 162,125 Euro markiert hatte.