Als Olaf Scholz am vergangenen Sonntag im Bundestag von einer "Zeitenwende" sprach, deutete er deren ganze Dimension nur an. Der Bundeskanzler benannte in seiner großen, befreienden Rede die Zäsur in Europas Nachkriegsordnung und nahm damit Abschied von den Illusionen in der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik.
In Wahrheit reicht die Zeitenwende, die wir erleben, viel weiter. In dem sich seit Längerem abzeichnenden Grundkonflikt des 21. Jahrhunderts, dem Ringen zwischen Demokratie und Autokratie, hat Wladimir Putin soeben im Wortsinne das Feuer eröffnet. Wurde gerade noch darüber debattiert, ob es einen zweiten Kalten Krieg geben könnte, beginnt Putin im Herzen Europas einen heißen Krieg. Mit dem Überfall auf die Ukraine, mit der Herausforderung der Nato hebt er die Auseinandersetzung, die ihrer Natur nach global ist, auf die militärische Ebene.