Mit Trauer und Anerkennung haben Politiker und Politikerinnen weltweit auf den Tod des ehemaligen sowjetischen Staatschefs Michail Gorbatschow reagiert. Die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) würdigte Gorbatschow als einen "einzigartigen Weltpolitiker". "Möge die Erinnerung an seine historische Leistung gerade in diesen schrecklichen Wochen und Monaten des Krieges Russlands gegen die Ukraine ein Innehalten möglich machen", hieß es in einer Erklärung, die auf ihrer Internetseite veröffentlicht wurde.
Sie habe die Nachricht vom Tod des Friedensnobelpreisträgers mit großer Trauer vernommen, schrieb die Altkanzlerin. "Gorbatschow hat Weltgeschichte geschrieben. Er hat vorgelebt, wie ein einzelner Staatsmann die Welt zum Guten verändern kann." Ohne seinen Mut "zu Glasnost und Perestroika, also zu Offenheit und Umbau, wäre auch die friedliche Revolution in der DDR nicht möglich gewesen". Gorbatschow habe auch ihr Leben grundlegend verändert. "Ich werde das nie vergessen", schrieb Merkel.
Steinmeier würdigt "großen Staatsmann"
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier würdigte den verstorbenen Ex-Präsidenten der Sowjetunion als mutigen und visionären Politiker. "Ich verneige mich vor einem großen Staatsmann", hieß es in einem Kondolenzschreiben an Gorbatschows Tochter, wie das Bundespräsidialamt mitteilte. "Deutschland bleibt ihm verbunden, in Dankbarkeit für seinen entscheidenden Beitrag zur deutschen Einheit, in Respekt für seinen Mut zur demokratischen Öffnung und zum Brückenschlag zwischen Ost und West, und in Erinnerung an seine große Vision von einem gemeinsamen und friedlichen Haus Europa."
Bundeskanzler Olaf Scholz bezeichnete Gorbatschow als mutigen Reformer und Staatsmann, der Demokratie in vielen Teilen Europas und die Wiedervereinigung Deutschlands erst möglich gemacht habe. "Wir wissen, dass er in einer Zeit gestorben ist, in der nicht nur die Demokratie in Russland gescheitert ist – anders kann die gegenwärtige Lage dort nicht beschrieben werden –, sondern auch Russland und der russische Präsident Putin neue Gräben in Europa zieht und einen furchtbaren Krieg gegen ein Nachbarland, die Ukraine, begonnen hat", sagte Scholz am Rande der Kabinettsklausur in Meseberg.
"Mann mit bemerkenswerter Vision"
US-Präsident Joe Biden würdigte Gorbatschow als einen "Mann mit einer bemerkenswerten Vision". Dieser habe sich in der Sowjetunion nach Jahrzehnten brutaler politischer Unterdrückung für demokratische Reformen eingesetzt, sagte Biden. "Dies waren die Taten einer außerordentlichen Führungspersönlichkeit – einer, die die Vorstellungskraft besaß, eine andere Zukunft für möglich zu halten, und den Mut hatte, ihre gesamte Karriere zu riskieren, um dies zu erreichen. Das Ergebnis war eine sicherere Welt und größere Freiheit für Millionen von Menschen."
Biden sagte, Gorbatschow habe an Glasnost und Perestroika geglaubt – nicht als bloße Schlagworte, sondern als den Weg nach vorn für die Menschen in der Sowjetunion nach so vielen Jahren der Isolation und Entbehrung. Der Kalte Krieg habe schon fast 40 Jahre gedauert, als Gorbatschow an die Macht gekommen sei. Nur wenige hochrangige sowjetische Funktionäre hätten den Mut gehabt, zuzugeben, dass sich die Dinge ändern mussten. Als Mitglied des Ausschusses für auswärtige Beziehungen des Senats habe er (Biden) miterleben können, wie Gorbatschow dies und noch mehr getan habe.
António Guterres: "Einzigartiger Staatsmann"
UN-Generalsekretär António Guterres zeigte sich "zutiefst traurig" über den Tod des früheren Staatschefs. Gorbatschow sei ein "einzigartiger Staatsmann" gewesen, der den Lauf der Geschichte verändert habe, teilte Guterres mit. "Er hat mehr als jeder andere dazu beigetragen, den Kalten Krieg friedlich zu beenden." Der Portugiese sprach der Familie Gorbatschows und der Bevölkerung Russlands sein Beileid aus. Die Aussage des Friedensnobelpreisträgers, dass Frieden nicht Einheit in Gleichartigkeit, sondern Einheit in Vielfalt sei, habe dieser mit seiner Politik in die Praxis umgesetzt.
Auch der russische Präsident Wladimir Putin äußerte nach Angaben eines Sprechers sein tiefes Mitgefühl. "Präsident Putin ist in tiefer Trauer im Hinblick auf den Tod von Michail Gorbatschow. Am Morgen wird er den Angehörigen und Nächsten ein Telegramm schicken", sagte Putins Pressesprecher Dmitri Peskow.
Boris Johnson würdigt Gorbatschows "Mut und Integrität"
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen stellte die Bedeutung Gorbatschows für Europa heraus. "Er spielte eine entscheidende Rolle bei der Beendigung des Kalten Krieges und dem Fall des Eisernen Vorhangs", twitterte von der Leyen. Sie bezeichnete Gorbatschow als Führungspersönlichkeit, die zuverlässig und geachtet gewesen sei. "Er ebnete den Weg für ein freies Europa. Dieses Vermächtnis werden wir nie vergessen."
Der britische Premierminister Boris Johnson würdigte das historische Erbe des gestorbenen russischen Friedensnobelpreisträgers. "Ich habe immer den Mut und die Integrität bewundert, die er gezeigt hat, indem er den Kalten Krieg zu einem friedlichen Ende brachte", schrieb Johnson auf Twitter. Zudem stellte er Gorbatschow dem russischen Präsidenten Wladimir Putin gegenüber. "Zu einer Zeit von Putins Aggression in der Ukraine bleibt sein unermüdliches Engagement für die Öffnung der sowjetischen Gesellschaft ein Vorbild für uns alle", schrieb Johnson.
Emmanuel Macron: Gorbatschow hat Geschichte verändert
Der französische Präsident Emmanuel Macron bezeichnete Gorbatschow als "Mann des Friedens". Seine Entscheidung habe den Russen "einen Weg der Freiheit" geöffnet, schrieb Macron auf Twitter. "Sein Engagement für den Frieden in Europa hat unsere gemeinsame Geschichte verändert."
Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg nannte Gorbatschow einen Friedensstifter und Vermittler. "Michail Gorbatschows historische Reformen haben zur Auflösung der Sowjetunion geführt, zum Ende des Kalten Krieges beigetragen und die Möglichkeit einer Partnerschaft zwischen Russland und der Nato eröffnet", schrieb der frühere norwegische Regierungschef auf Twitter. "Seine Vision einer besseren Welt bleibt ein Vorbild."
Baerbock: Sind ewig dankbar
Weitere Bundespolitikerinnen würdigten Gorbatschow. Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) bekundete die ewige Dankbarkeit Deutschlands. "Michael Gorbatschow hat sich in Schicksalsmomenten unserer Geschichte von Frieden und der Verständigung zwischen den Menschen leiten lassen. Das Ende des Kalten Kriegs und die deutsche Einheit sind sein Vermächtnis", twitterte sie. "Wir trauern um einen Staatsmann, dem wir dafür ewig dankbar sind."
Gorbatschows Einsatz für Frieden und Freiheit in Europa bleibe unvergessen, twitterte Bundesfinanzminister Christian Lindner. "Sein Engagement hat unsere Geschichte verändert", schrieb der FDP-Politiker. "Wegbereiter für das Ende des Kalten Krieges und eine treibende Kraft der Deutschen Einheit: Michail Gorbatschow haben wir so viel zu verdanken."
Ohne ihn "wären die friedlichen Revolutionen in den Ländern des Ostblocks, bei uns, so nicht denkbar gewesen", twitterte Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt (Grüne). "Seine Worte haben uns, haben mich, ermutigt, stark gemacht."
Deutschland habe Gorbatschow viel zu verdanken, twitterte Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP). "Er leitete das Ende des kalten Krieges ein, ermöglichte Deutschlands Wiedervereinigung und schenkte seinem Land ein demokratisches Momentum. Ein mutiger Überzeugungstäter, dessen Stimme fehlen wird", schrieb die Ministerin.
Mit Trauer und Anerkennung haben Politiker und Politikerinnen weltweit auf den Tod des ehemaligen sowjetischen Staatschefs Michail Gorbatschow reagiert. Die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) würdigte Gorbatschow als einen "einzigartigen Weltpolitiker". "Möge die Erinnerung an seine historische Leistung gerade in diesen schrecklichen Wochen und Monaten des Krieges Russlands gegen die Ukraine ein Innehalten möglich machen", hieß es in einer Erklärung, die auf ihrer Internetseite veröffentlicht wurde.
Sie habe die Nachricht vom Tod des Friedensnobelpreisträgers mit großer Trauer vernommen, schrieb die Altkanzlerin. "Gorbatschow hat Weltgeschichte geschrieben. Er hat vorgelebt, wie ein einzelner Staatsmann die Welt zum Guten verändern kann." Ohne seinen Mut "zu Glasnost und Perestroika, also zu Offenheit und Umbau, wäre auch die friedliche Revolution in der DDR nicht möglich gewesen". Gorbatschow habe auch ihr Leben grundlegend verändert. "Ich werde das nie vergessen", schrieb Merkel.