Die russischen Streitkräfte kommen nach Angaben des britischen Geheimdienstes weiter nur schwerlich in der Ukraine voran. Demnach stehen sie durch vermehrte Explosionen hinter den eigenen Linien im Süden des Landes unter Druck. Betroffen seien die russische Logistik und Luftstützpunkte im Süden. An der Frontlinie in der Region Cherson hätten beide Seiten keine Vorstöße gemacht. In den vergangenen Wochen habe es nur minimale Veränderungen an den Frontverläufen gegeben.

In der russisch besetzten Stadt Melitopol hat das ukrainische Militär nach eigenen Angaben einen russischen Stützpunkt angegriffen. Der ukrainische Bürgermeister Iwan Fedorow berichtete von gewaltigen Explosionen, die in der ganzen Stadt zu hören gewesen seien. Bei dem ukrainischen Präzisionsschlag sei ersten Erkenntnissen zufolge ein russischer Militärstützpunkt getroffen worden. Die Leiterin der russischen Besatzungsverwaltung in Melitopol, Galina Daniltschenko, sprach hingegen von beschädigten Wohngebieten und einem verletzten Zivilisten. Die russischen Streitkräfte haben ukrainischen Angaben zufolge hingegen ein Wohngebiet in der Nähe eines Atomkraftwerks angegriffen. Durch den Raketenangriff in der Stadt Wosnessensk in der Region Mykolajiw seien neun Menschen verletzt worden, sagte Gouverneur Witalij Kim. Der ukrainische Energieversorger Energoatom sprach von einem "weiteren Akt des russischen Nuklearterrorismus". Etwa 30 Kilometer vom Wohngebiet entfernt liegt das Atomkraftwerk Piwdennoukrajinsk.

Über die ukrainischen Schwarzmeerhäfen wird weiterhin Getreide exportiert. Nach Angaben des türkischen Verteidigungsministeriums legten zwei weitere Frachter von Tschornomorsk ab. Seit Wiederaufnahme der Lieferungen seien damit bisher 27 Schiffe ausgelaufen. Aus dem von Russland besetzten Teil des ukrainischen Gebiets Saporischschja werden täglich bis zu 7.000 Tonnen Getreideexportiert, wie örtliche Behörden mitteilten.

Russlands Verteidigungsminister Sergej Schoigu hat die Einschränkungen einiger EU-Länder bei der Ausstellung von Visa für russische Staatsbürger als "Nazipolitik" bezeichnet. Auf einem Kongress in der Nähe von Moskau sagte Schoigu, dass die "höchsten europäischen Tribünen aktiv die russophobe Idee" vorantreiben würden. Es sei ein "klares Hervortreten einer nazistischen Politik" zu erkennen. Die Ukraine habe in den russischsprachigen Regionen Donezk und Luhansk "acht Jahre lang schreckliche Verbrechen verübt", sagte Schoigu.

Weitere Ereignisse des Tages:

  • Der ukrainische Nachrichtendienst GUR berichtet, dass die russische Besatzungsverwaltung in Mariupol beabsichtige, einen Schauprozess gegen gefangene Kämpfer aus dem Asow-Stahlwerk im Gebäude der Kammerphilharmonie abzuhalten. Zudem könnten sie das Theater der Warnung zufolge am ukrainischen Unabhängigkeitstag am kommenden Mittwoch für einen Angriff unter falscher Flagge nutzen.
  • Bei russischen Angriffen in der Ukraine sind nach Angaben des Generalstabs in Kiew auch Zivilisten und nicht militärische Infrastruktur beschossen worden. Im Gebiet Donezk seien innerhalb von 24 Stunden durch Raketen- und Artilleriebeschuss sieben Zivilisten getötet und weitere 13 verletzt worden.
  • Auf der Krim hat es erneut eine Explosion gegeben. In der Stadt Sewastopol seien Trümmerteile einer abgeschossenen Drohne im Stabsgebäude der Schwarzmeerflotte eingeschlagen, teilten die russischen Behörden mit. Opfer soll es keine gegeben haben.
  • UN-Generalsekretär António Guterres hat einen ungehinderten Zugang russischer Agrarprodukte und Düngemittel zu den Weltmärkten gefordert. Er erinnerte daran, dass das Lieferabkommen auch Russland das Recht garantiert, seine landwirtschaftlichen Erzeugnisse und Düngemittel zu exportieren.
  • Die USA planen nach Angaben des Chefs des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen den Kauf von etwa 150.000 Tonnen Getreide aus der Ukraine für unter Lebensmittelknappheit leidende Regionen. Eingekauft werden solle das Getreide in den kommenden Wochen in ukrainischen Häfen, die im russischen Angriffskrieg nicht mehr von einer Blockade betroffen seien.
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