Der ultrarechte israelische Finanzminister Bezalel Smotrich steht international in der Kritik, weil er zum "Ausradieren" eines palästinensischen Dorfes aufgerufen hat. UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk verurteilte Smotrichs Äußerung als "unfassbare Aufforderung zu Gewalt und Feindseligkeit". Das französische Außenministerium erklärte, die "inakzeptablen, unverantwortlichen und unwürdigen Äußerungen" schürten nur den Hass und nährten "die gegenwärtige Spirale der Gewalt".

Auch Saudi-Arabien und Katar schlossen sich der Kritik an. Das saudische Außenministerium erklärte, es lehne "solche rassistischen und unverantwortlichen Äußerungen" ab, Katar bezeichnete Smotrichs Forderung als "hasserfüllt und provokativ". Am Mittwoch hatte bereits das US-Außenministerium mit ungewöhnlich scharfen Worten auf Smotrichs Äußerung reagiert. Außenamtssprecher Ned Price nannte sie unverantwortlich, abstoßend und ekelhaft.

Smotrich hatte mit seiner umstrittenen Bemerkung auf einen Ausbruch der Gewalt in dem Dorf Huwara im Westjordanland reagiert. Am Sonntag hatte dort ein mutmaßlich palästinensischer Attentäter zwei israelische Brüder erschossen. Aus Rache steckten daraufhin israelische Siedler Dutzende Häuser, Läden und Autos in Brand. Bei Ausschreitungen in Huwara und benachbarten Orten wurden am Ende ein Palästinenser getötet und Hunderte verletzt. Mehrere Politiker der Opposition sprachen von einem Pogrom der Siedler gegen die Palästinenser.

Der israelische Finanzminister, der auch für den Siedlungsausbau im Westjordanland zuständig ist, forderte: "Ich denke, das Dorf Huwara muss ausradiert werden." Das müsse aber der Staat Israel tun. Später zog Smotrich seine Aussage zurück und erklärte auf Twitter, dass er "Huwara nicht auslöschen, sondern nur gezielt gegen Terroristen vorgehen" wolle.

Friedensaktivisten reisen nach Huwara

Am Freitag reisten mehrere Hundert israelische Friedensaktivisten zu einem Solidaritätsbesuch ins Westjordanland. Bei ihrem Versuch, Huwara zu betreten, sei es zu Zusammenstößen mit der israelischen Armee gekommen, meldeten mehrere israelische Medien. Soldaten sollen demnach auch Blendgranaten in die Menge geworfen haben. Berichte über Verletzte gab es zunächst nicht. Die Armee hat sich bislang nicht zu dem Vorfall geäußert.

Die palästinensischen Anwohner hätten die Ankunft der israelischen Aktivisten begrüßt, schrieb die Zeitung Haaretz. Nach Angaben der Times of Israel reiste auch eine Delegation europäischer Diplomaten nach Huwara.