Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva hat offiziell sechs neue indigene Gebiete ausgewiesen. Er unterzeichnete entsprechende Dekrete – die ersten seit 2018 – zum Abschluss eines Treffens von Ureinwohnern in der Hauptstadt Brasilia.

Etwa 6.000 Indigene verbrachten die Woche beim jährlichen Treffen "Terra Livre" (Freies Land) an der Esplanade der Ministerien im Regierungsviertel. Sie demonstrierten gegen Gesetzesprojekte, die indigene Völker bedrohen und für die Einrichtung von Schutzgebieten. Raoni Metuktire, einer der teilnehmenden prominenten indigenen Oberhäupter, überreichte Lula einen traditionellen Kopfschmuck aus blauen und roten Federn.

"Wenn es heißt, dass Sie 14 Prozent der Landesfläche beanspruchen und dass das viel ist, müssen Sie bedenken, dass Sie vor der Ankunft der Portugiesen 100 Prozent beansprucht haben", sagte Lula begleitet vom Applaus der Indigenen. Die Dekrete garantieren den Ureinwohnern die ausschließliche Nutzung der natürlichen Ressourcen auf diesen Gebieten. Experten sehen die Regionen als Bollwerk gegen die Abholzung des Amazonas – eine der größten Herausforderungen im Kampf gegen den Klimawandel.

Zwei der sechs neuen Reservate befinden sich im Amazonas. Das größte namens Unieuxi wurde 249 Angehörigen der Maku- und Tukano-Völker auf mehr als 550.000 Hektar im nördlichen Bundesstaat Amazonas zugeteilt. Zwei weitere liegen im Nordosten, eines im Süden und eines im Zentrum des Landes.

Weitere Schutzgebiete geplant

"Wenn wir bis 2030 keine Entwaldung erreichen wollen, brauchen wir anerkannte indigene Gebiete", sagte der linksgerichtete Lula. "Es ist ein zeitaufwendiger Prozess, aber wir werden sicherstellen, dass so viele indigene Reservate wie möglich ausgewiesen werden." Die Kennzeichnung weiterer indigener Gebiete ist bereits in Planung: Indigenenministerin Sônia Guajajara gab im März bekannt, dass 14 Reservate mit einer Gesamtfläche von fast 900.000 Hektar zur offiziellen Ausweisung vorbereitet sind.

Der letzten Volkszählung aus dem Jahr 2010 zufolge leben in Brasilien rund 800.000 Indigene, die meisten von ihnen in Reservaten, die 13,75 Prozent der Landesfläche ausmachen. Unter der Regierung des rechtsextremen Populisten Jair Bolsonaro war die Zuteilung von Land an Indigene ins Stocken geraten. Kurz vor Beginn seiner Amtszeit (2019-2022) hatte Bolsonaro angekündigt, "keinen Zentimeter mehr" an Indigene abgeben zu wollen, unter seiner Präsidentschaft nahm auch die Entwaldung stark zu.

Lula hatte bei seinem Amtsantritt im Dezember eine Abkehr von der Politik Bolsonaros versprochen und erklärt, sich für den Schutz der Indigenen und des Amazonaswaldes einzusetzen. Bundeskanzler Olaf Scholz hatte Lula am Rande eines Brasilienbesuches im Januar dabei Unterstützung zugesagt. Mit Soforthilfen im Umfang von 200 Millionen Euro will die Bundesregierung Projekte zur Wiederaufforstung und zum Schutz von Indigenen unterstützen.