Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) hat an Staaten weltweit appelliert, auf Abschiebungen in den Sudan zu verzichten. Angesichts der anhaltenden Kämpfe im Land sollten Zwangsrückführungen auch von abgelehnten Asylbewerbern ausgesetzt werden, heißt es in einer Empfehlung der Behörde. Dieses Verbot solle so lange bestehen bleiben, bis sich die Sicherheitslage im Sudan deutlich verbessert habe und eine sichere Rückkehr für Menschen möglich sei, die nachweislich keinen internationalen Schutz benötigten.

Die für Fragen des internationalen Schutzes zuständige UNHCR-Leiterin Elizabeth Tan rief die Regierungen auf, fliehende Zivilistinnen und Zivilisten aus dem Sudan einreisen zu lassen – auch ohne Pass oder sudanesische Staatsbürgerschaft. Tan verwies auf Berichte von schweren Menschenrechtsverletzungen in Zusammenhang mit dem Konflikt, einschließlich Angriffen auf Zivilisten, sexuelle Gewalt und Plünderungen.

Kämpfe in Khartum dauern an

Laut UN-Angaben haben seit Beginn des Konflikts im Sudan mehr als 100.000 Menschen das Land verlassen. Das UN-Flüchtlingshilfswerk rechnet damit, dass ihre Zahl auf 860.000 steigen könnte.

Unterdessen halten die Kämpfe in der Hauptstadt Khartum an. Augenzeugen berichteten von Luftangriffen und Gefechten.

Olaf Scholz sagt Unterstützung zu

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) rief während seiner Afrika-Reise zu einem Ende der Kämpfe auf. Die sudanesische Armee und die RSF-Miliz müssten "ihren militärischen Machtkampf beenden, der nur auf Kosten der Bürgerinnen und Bürger des Landes stattfindet", sagte er nach einem Treffen mit Kenias Staatschef William Ruto in Nairobi. Der Bundeskanzler würdigte das Engagement Kenias zur Beilegung des Konflikts. "Wir werden mit allen unseren Möglichkeiten unterstützen, was hier an Aktivitäten vorangebracht wird", sagte er.

In dem Konflikt stehen sich Armeeeinheiten von Militärmachthaber Abdel Fattah Burhan und die von seinem Stellvertreter Mohamed Hamdan Daglo angeführte RSF-Miliz gegenüber. Die beiden Generäle hatten einst durch gemeinsame Militärcoups die Führung im Sudan übernommen. Wegen Fragen der Machtverteilung kam es aber zu einem Zerwürfnis zwischen den beiden Lagern, das am 15. April eskalierte.

Bei den Gefechten sind nach offiziellen Angaben bereits mehr als 500 Menschen getötet und Tausende verletzt worden. Es wird davon ausgegangen, dass die tatsächliche Zahl der Toten deutlich höher ist. Westliche Länder wie Deutschland haben ihre Staatsbürger inzwischen per Flugzeug oder Schiff in Sicherheit gebracht.