• Seit dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 eskaliert die Lage in Nahost. Israel kämpft im Gazastreifen gegen die Hamas und im Libanon gegen die vom Iran unterstützte Hisbollah – dort gilt derzeit eine brüchige Waffenruhe.
  • Wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen im Gazakrieg liegen internationale Haftbefehle gegen Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu, den israelischen Ex-Verteidigungsminister Joaw Galant und den Hamas-Kommandeur Mohammed Deif vor.
  • Karten, Daten und Visualisierungen zur Lage im Gazastreifen finden Sie hier.
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  • Unsere Themenseite zum Krieg im Nahen Osten finden Sie hier.
  • Neben eigenen Recherchen verwenden wir Material der Nachrichtenagenturen dpa, AFP, AP, KNA und Reuters.

Sarah Kohler
Sarah Kohler

Bundesregierung kritisiert Israel wegen Plänen für Golanhöhen

Die deutsche Bundesregierung hat die Ankündigung der israelischen Regierung zu ihrem weiteren Vorgehen auf den Golanhöhen kritisiert. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte angekündigt, die von Israel völkerrechtswidrig annektierten Golanhöhen stärker besiedeln zu wollen. Ein Sprecher des Auswärtigen Amts teilte nun mit, die Bundesregierung rufe Israel dazu auf, "von diesem Vorhaben Abstand zu nehmen". Er bekräftigt, die Golanhöhen seien in den Augen der Bundesregierung syrisches Gebiet, Israel sei dort eine Besatzungsmacht.

Auch andere Länder kritisierten Israels Vorhaben, unter anderem die Türkei und Saudi-Arabien.
Anja Keinath
Anja Keinath

Gesundheitsministerium im Gazastreifen meldet mehr als 45.000 Tote

Im Gazastreifen ist die Zahl der Getöteten nach palästinensischen Angaben auf mehr als 45.000 gestiegen. Seit Kriegsbeginn im Oktober vergangenen Jahres seien 45.028 Menschen getötet und 106.962 verwundet worden, teilte das von der Hamas kontrollierte Gesundheitsministerium mit. Die tatsächliche Zahl liege jedoch höher, weil Tausende Leichen noch immer unter Trümmern begraben oder in Gebieten seien, zu denen die Sanitäter keinen Zugang hätten. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen.

Die Zahl der vom Ministerium genannten Kriegstoten beläuft sich inzwischen auf knapp 2 Prozent der gesamten Vorkriegsbevölkerung des Gazastreifens von etwa 2,3 Millionen Menschen. Mehr als Hälfte der Getöteten sind demnach Frauen und Kinder.
Angehörige und Anteilnehmende versammeln sich zur Beerdigung von Mitgliedern der Familie al-Hur, die bei einem israelischen Angriff auf das Flüchtlingslager Nuseirat getötet wurden.
Angehörige und Anteilnehmende versammeln sich zur Beerdigung von Mitgliedern der Familie al-Hur, die bei einem israelischen Angriff auf das Flüchtlingslager Nuseirat getötet wurden. Eyad Baba/AFP/Getty Images
Konstantin Zimmermann
Konstantin Zimmermann

Israel meldet Drohnenangriff aus dem Jemen

Die israelische Armee hat nach eigenen Angaben einen Drohnenangriff aus den Huthi-Gebieten im Jemen abgewehrt. Ein Marineboot im Mittelmeer habe den Flugkörper abgeschossen, bevor er auf israelisches Territorium vorgedrungen sei. 

Die Huthi-Miliz im Jemen ist mit dem Iran verbündet. Sie hat auch nach der Waffenruhe im Libanon ihre Angriffe auf das rund 1.800 Kilometer entfernte Israel fortgesetzt.
Anja Keinath
Anja Keinath

Fast 19.000 Kinder im Gazastreifen wegen akuter Mangelernährung ins Krankenhaus eingeliefert 

Im Gazastreifen ist die Zahl der Kinder, die aufgrund von Mangelernährung ins Krankenhaus eingeliefert wurden, deutlich gestiegen. Nach Angaben des UN-Hilfswerks für geflüchtete Palästinenser, UNRWA, wurden in den vergangenen vier Monaten fast 19.000 Kinder wegen akuter Mangelernährung ins Krankenhaus gebracht. Das seien fast doppelt so viele Fälle wie in der ersten Jahreshälfte.

Zudem habe eines der wenigen funktionierenden Gesundheitszentren im Gazastreifen nun das erste Mal seit drei Monaten Säuglingsmilch erhalten – den Angaben zufolge jedoch nur wenige Kisten. Rund 8.500 Babys konnten demnach Säuglingsmilch erhalten, aber die Lieferungen "reichen bei weitem nicht aus". Das Hilfswerk forderte erneut sofortige Hilfe und einen Waffenstillstand, "um Leben zu retten".
Im Süden des Gazastreifens warten Kinder auf die Essensausgabe einer Hilfsorganisation.
Im Süden des Gazastreifens warten Kinder auf die Essensausgabe einer Hilfsorganisation. Mohammed Salem/Reuters
Iven Fenker
Iven Fenker

Mindestens 20 Tote durch israelische Luftangriffe nach palästinensischen Angaben

Die israelische Armee hat nach palästinensischen Angaben bei Angriffen im Gazastreifen mindestens 20 Menschen getötet. Die meisten Menschen starben Ärzten und Anwohnern zufolge im Norden – mindestens elf demnach bei drei Luftangriffen auf Häuser in Gaza-Stadt. Zudem seien Menschen in den Städten Beit Lahija, Beit Hanun und in der Flüchtlingssiedlung Dschabalia getötet worden. In Beit Hanun haben demnach israelische Soldaten die Chalil-Aweida-Schule gestürmt, in der Familien Schutz gesucht haben. Dabei sollen mehrere Menschen getötet worden sein. Mehrere Männer seien von der Armee festgenommen worden. Die Armee äußerte sich zunächst nicht dazu.
Iven Fenker
Iven Fenker

Israel will Siedlungen auf Golanhöhen ausbauen 

Nach dem Sturz des syrischen Machthabers Baschar al-Assad will die israelische Regierung die Bevölkerung auf den besetzten Golanhöhen verdoppeln. Ein entsprechender Plan wurde dem Büro von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu zufolge vom Kabinett verabschiedet. "Im Lichte des Krieges und der neuen Front in Syrien" handele es sich um eine "Entscheidung, die die Ortschaften auf den Golanhöhen und den Staat Israel stärkt", teilte das Büro mit. 

Israel habe "keinerlei Interesse an einer Konfrontation" mit Syrien, sagte Netanjahu. "Die Politik Israels gegenüber Syrien wird von der sich entwickelnden Realität vor Ort bestimmt werden." Bereits vergangene Woche hatte Netanjahu gesagt, dass die annektierten Golanhöhen "für alle Ewigkeit" israelisch sein würden. "Wir werden uns dort weiter etablieren, entwickeln und ansiedeln", sagte er. 

Saudi-Arabien verurteilte die Pläne. Sie seien Teil einer "fortgesetzten Sabotage der Möglichkeiten zur Wiederherstellung von Sicherheit und Stabilität in Syrien", teilte das Außenministerium mit. Katar beklagte "eine neue Episode in der Reihe israelischer Aggressionen auf syrischem Territorium und einen eklatanten Verstoß gegen das Völkerrecht".

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Iven Fenker
Iven Fenker

Kameramann laut Al-Dschasira bei israelischem Luftangriff getötet 

Bei einem israelischen Luftangriff auf ein Flüchtlingslager im Gazastreifen ist laut Al-Dschasira ein Kameramann des Senders getötet worden. "Al-Dschasira-Kameramann Ahmed al-Luh wurde heute, Sonntag, bei einem israelischen Bombenangriff getötet", teilte der Sender mit. Al-Dschasira sprach von einer "gezielten Tötung" des 39-Jährigen in der Flüchtlingssiedlung Nuseirat.

Der Sprecher der von der Terrororganisation Hamas kontrollierten Zivilschutzbehörde, Mahmud Bassal, bestätigte den Tod des Kameramanns. Zudem seien bei dem Luftangriff drei Mitarbeiter der Behörde getötet worden. Die israelische Armee sagte auf Nachfrage, sie prüfe die Angaben.

Al-Luh ist der fünfte Al-Dschasira-Journalist, der seit Beginn der nach dem Hamas-Angriff auf Israel am 7. Oktober 2023 begonnenen israelischen Offensive getötet wurde. Insgesamt wurden seit Oktober 2023 mindestens 137 Journalisten und Mitarbeiter von Medienorganisationen im Gazastreifen, im Westjordanland und im Libanon getötet, wie das in New York ansässige Komitee zum Schutz von Journalisten (CPJ) berichtete.
Verena Harzer
Verena Harzer

Israel schließt Botschaft in Dublin

Das israelische Außenministerium hat wegen "antiisraelischer" Initiativen in Irland die Schließung der israelischen Botschaft in Dublin angeordnet. Die Entscheidung, die israelische Botschaft in Dublin zu schließen, sei "angesichts der extremen antiisraelischen Aktionen der irischen Regierung" getroffen worden, hieß es in einer Erklärung des Außenministeriums. Irland habe in seinen Beziehungen zu Israel "alle roten Linien überschritten".

Die Beziehungen zwischen Israel und Irland hatten sich nach mehreren Initiativen Irlands, darunter die Anerkennung eines palästinensischen Staates, deutlich verschlechtert. Irland unterstützte auch ein von Südafrika angestrengtes Verfahren vor dem Internationalen Gerichtshof (IGH), in dem Israel des "Völkermords" im Gazastreifen beschuldigt wird.

Irland teilte mit, es bedauere die Entscheidung der Regierung von Benjamin Netanjahu zutiefst. Irlands Regierungschef Simon Harris erklärte bei X jedoch, er weise "die Behauptung, Irland sei antiisraelisch, vollständig zurück".
Dieter Hoß
Dieter Hoß

Versorgungswege der Hisbollah durch Assad-Sturz in Syrien gekappt

Nach eigener Aussage ist der libanesischen Hisbollah-Miliz durch den Sturz des Assad-Regimes in Syrien eine wichtige Versorgungsroute für Waffen weggebrochen. "Die Hisbollah hat den militärischen Versorgungsweg verloren", sagte Hisbollah-Anführer Naim Kassim in einer im Fernsehen übertragenen Ansprache. Er bezeichnete die Miliz als "flexibel" und beschwor "Kontinuität" im Vorgehen gegen Israel. Der Iran, der als wichtigster Unterstützer der Hisbollah gilt, hatte die stark bewaffnete Miliz unter anderem über den Landweg durch Syrien mit Waffen versorgt.
Julica Jungehülsing
Julica Jungehülsing

Protestierende in Tel Aviv appellieren erneut an Netanjahu

Vor dem israelischen Armeehauptquartier in Tel Aviv haben erneut etwa 2.000 Menschen für einen Geiseldeal und für die Beendigung des Gazakriegs demonstriert. Angehörige der von Islamisten in den Gazastreifen verschleppten Geiseln richteten auf einer Kundgebung wütende Appelle an den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu, schrieb die Times of Israel.

Die Rednerinnen und Redner warfen dem Regierungschef vor, die Verhandlungen über die Freilassung der Geiseln aus der Gewalt der islamistischen Hamas absichtlich zu verschleppen, um den Krieg im Gazastreifen weiterführen zu können: Netanjahu sage, er sei entschlossen, jeden nach Hause zu holen, "aber Sie haben vor, nur ein paar von ihnen nach Hause zu holen und die anderen mit 'militärischem Druck' zu töten", zitierte die Times of Israel die Mutter einer Geisel. "Aber Sie müssen wissen: (…) Wenn mein Matan in einem Leichensack zurückkommt, werde ich Ihr schlimmster Albtraum sein." 
Israelis protestieren gegen Benjamin Netanjahus Regierung.
Israelis protestieren gegen Benjamin Netanjahus Regierung. Tsafrir Abayov
Auslöser des Kriegs war das Massaker palästinensischer Terroristen aus dem Küstengebiet am 7. Oktober vergangenen Jahres in Israel mit 1.200 Toten und rund 250 Verschleppten. Derzeit befinden sich nach israelischer Zählung noch rund 100 Geiseln in der Gewalt ihrer Entführer, von denen aber viele schon tot sein dürften.

Seit Monaten protestieren Tausende Israelis jedes Wochenende in vielen Städten des Landes für die Freilassung der Menschen und üben Druck auf die Regierung aus. 
Susanne Ködel
Susanne Ködel

Israel erklärt Luftangriff mit Hamas-Mitgliedschaft von Bürgermeister

Die israelische Armee hat mitgeteilt, dass der Angriff auf die Stadt Deir al-Balah im Zentrum des Gazastreifens ihrem Bürgermeister gegolten habe. Demnach soll dieser auch Kader des militärischen Flügels der Hamas gewesen sein und Kampfeinsätze der islamistischen Miliz unterstützt haben. Auf welche Art und Weise er dies getan hat, wird nicht beschrieben. Bei einem Luftangriff sind mindestens zehn Menschen getötet worden. Unter ihnen soll sich auch der Bürgermeister befinden.
Jan Schwenkenbecher
Jan Schwenkenbecher

Palästinensischer Einsatz gegen Bewaffnete im Westjordanland

Einsatzkräfte der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) im Westjordanland gehen in der Stadt Dschenin erneut gegen bewaffnete Mitglieder der Hamas und des Palästinensischen Islamischen Dschihads vor. Ziel der seit dem Morgen andauernden Aktion sei es, die Stadt aus der Hand der "Gesetzlosen" zu befreien, sagte ein Sprecher der Einsatzkräfte der palästinensischen Nachrichtenagentur Wafa.

Das im Norden des Westjordanlands gelegene Dschenin gilt als Hochburg gewaltbereiter Islamisten. Auch israelische Polizei- und Militäreinheiten sind dort häufig im Einsatz. Beobachtern zufolge fürchtet die PA einen bewaffneten Aufstand im Westjordanland und einen Kontrollverlust, ähnlich wie einst im Gazastreifen. 
Palästinensische Sicherheitskräfte gehen bei Zusammenstößen mit Militanten in der Stadt Dschenin im Westjordanland in Stellung.
Palästinensische Sicherheitskräfte gehen bei Zusammenstößen mit Militanten in der Stadt Dschenin im Westjordanland in Stellung. Raneen Sawafta/REUTERS
Melina Crispin
Melina Crispin

Tote nach israelischen Luftangriffen im Zentrum des Gazastreifens

Bei einem israelischen Luftangriff im Gazastreifen sind der palästinensischen Nachrichtenagentur Wafa zufolge mindestens zehn Menschen ums Leben gekommen und viele weitere verletzt worden. Die israelische Luftwaffe habe das Gemeindehaus in der Stadt Deir al-Balah im Zentrum des Gebiets getroffen, teilte Wafa mit. Bei dem Angriff sei der Leiter des von der Hamas geleiteten Verwaltungskomitees im Zentrum des Gazastreifens getötet worden, hieß es weiter.

In dem Haus hätten etliche Vertriebene Schutz gesucht. Unter den Getöteten soll demnach auch der Bürgermeister der Stadt sein. Die Angaben ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.
Menschen begutachten nach einem israelischen Angriff die Schäden an einem Schulgebäude in Gaza-Stadt, in dem vertriebene Palästinenser untergebracht sind.
Menschen begutachten nach einem israelischen Angriff die Schäden an einem Schulgebäude in Gaza-Stadt, in dem vertriebene Palästinenser untergebracht sind. Omar Al-Qatta/AFP/Getty Images
Wafa meldete zudem weitere Tote durch mehrere israelische Angriffe. So seien etwa sieben Menschen beim Beschuss eines ehemaligen Schulgebäudes in der Stadt Gaza ums Leben gekommen.

Laut der palästinensischen Gesundheitsbehörde wurden binnen 24 Stunden 55 Palästinenser bei israelischen Angriffen getötet.
Eva Casper
Eva Casper

Israels Militär will weitere Hamas-Kommandozentrale in Gaza angegriffen haben

Die israelische Luftwaffe hat nach eigenen Angaben erneut eine Kommandozentrale der Terrororganisation Hamas im Gazastreifen angegriffen. Sie habe sich in der Stadt Gaza in einem Gebäude befunden, das früher eine Schule gewesen sei. Hamas-Mitglieder hätten von dort aus Anschläge auf Israels Truppen geplant, hieß es. Angaben zu möglichen Opfern machte das Militär nicht. Man habe zahlreiche Maßnahmen ergriffen, um die Gefahr für Zivilisten zu mindern, teilte die Armee weiter mit. Die Angaben ließen sich nicht unabhängig überprüfen.   
Larissa Kögl
Larissa Kögl

Toter bei israelischem Einsatz im Westjordanland

Die israelische Polizei hat nach eigenen Angaben im besetzten Westjordanland einen Palästinenser getötet. Er sei während der Festnahme eines gesuchten Terroristen in dem Ort Beit Awa bei Hebron als Gefahr eingestuft und erschossen worden.

Nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums in Ramallah handelt es sich bei dem Toten um einen 32-Jährigen. Der Mann soll laut Einwohnern des Ortes eine geistige Behinderung gehabt haben, berichten lokale Medien. Die Angaben können derzeit nicht unabhängig überprüft werden.