Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) rechnet für die kommenden Jahre mit einem noch höheren Bedarf an Verteidigungsausgaben als die von den Nato-Mitgliedsstaaten beschlossenen zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Er sei "realistisch genug, um zu erkennen, dass dies in den kommenden Jahren möglicherweise nicht ausreichen wird", sagte Pistorius auf der Münchner Sicherheitskonferenz. Dabei gehe es weniger um Zahlen als darum, "genügend Gelder" zur Verfügung zu haben.

Das Zwei-Prozent-Ziel war bei einem Nato-Gipfel 2014 festgelegt worden. Pistorius sagte, dies sei damals nur die Untergrenze gewesen. Inzwischen seien "sich alle bewusst, dass das nur der Ausgangspunkt sein kann, weil wir mehr brauchen". Zwei Prozent "können nur der Anfang sein". Vielleicht würden in Zukunft "drei oder dreieinhalb Prozent" erreicht, aber das komme darauf an, was in der Welt passiert und auf die eigene Volkswirtschaft.

Deutschland wird das Nato-Ziel in diesem Jahr erstmals erreichen. Hintergrund ist das Sondervermögen über 100 Milliarden Euro für die Bundeswehr, das infolge des russischen Überfalls auf die Ukraine beschlossen wurde.

Die westlichen Verbündeten müssen sich nach Einschätzung des Verteidigungsministers auf eine jahrzehntelange Auseinandersetzung mit Russland einstellen. Eine gemeinsame europäische Sicherheitsarchitektur sei nicht gelungen, weil Russland seine Dominanz über Ost- und Zentraleuropa wieder habe herstellen wollen. "Nun werden wir für die kommenden Jahrzehnte bedauerlicherweise mit Trennlinien in Europa leben müssen: das freie und demokratische Europa einerseits, das autoritäre und kriegstreiberische Russland andererseits", sagte Pistorius. 

Er mahnte zudem: "Effektive Abschreckung ist unsere Lebensversicherung." Der Verteidigungsminister forderte auch, die Zusammenarbeit mit Partnern wie in Afrika zu suchen und auszubauen, auch wenn diese nicht alle Standards erfüllten. So sei Deutschland bereit, mehr Militärberater in die Staaten Afrikas zu schicken, wenn dies gewünscht sei. "Engere Zusammenarbeit bedeutet, dass wir von unserem hohen Ross herunterkommen. Das meine ich damit, die Komfortzone zu verlassen."