Die drei russischen Soldaten haben es eilig, ihren Triumph zu verkünden. Während im Hintergrund noch Explosionen von Artilleriegranaten zu hören sind, posieren sie für die Handykamera. "Schamane", "Hase" und "Maulwurf", so die Kampfnamen der Russen, jubeln und halten ihre Kalaschnikow-Gewehre hoch. Gerade haben sie die russische Fahne über dem zerstörten Verwaltungsgebäude im ukrainischen Ort Otscheretyne gehisst. Das Dorf gehöre jetzt ihnen, sagt der Russe, der sich "Maulwurf" nennt. "Der Sieg wird unser sein."

Solche Propagandavideos sind Teil des russischen Eroberungsfeldzugs in der Ukraine. Über die vergangenen Monate waren sie selten geworden. Doch zuletzt kamen täglich neue dazu. Die Invasoren hissten die russische Trikolore binnen wenigen Tagen in Berdytschi, in Solowjowe und Semeniwka. Am Wochenende stürmten russische Soldaten erfolgreich das Dorf Kyslowka im Norden der Ukraine. Mit Nowokalynowe und Keramik haben sie zwei weitere Dörfer bereits so gut wie umzingelt.