Der tödliche Luftschlag der israelischen Armee gegen einen Hilfskonvoi der NGO World Central Kitchen im Gazastreifen hat international Empörung und Trauer ausgelöst. US-Präsident Joe Biden kritisierte Israel ungewöhnlich heftig. Das Land habe nicht genug für den Schutz humanitärer Helfer getan, schrieb er und fügte hinzu: "Israel hat auch nicht genug getan, um Zivilisten zu schützen." Bei dem Luftangriff waren sieben humanitäre Helfer getötet worden, darunter mehrere Ausländer. Der australische Premierminister Anthony Albanese sagte, er habe gegenüber Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu "Australiens Wut und Besorgnis" über den Tod einer Staatsbürgerin zum Ausdruck gebracht.

UN-Sprecher Stéphane Dujarric bezeichnete den Tod der Helfer als unvermeidliches Resultat der Kriegsführung in dem Konflikt. Er wies darauf hin, dass nach UN-Berechnung bereits 180 Mitarbeiter von Hilfsorganisationen seit Beginn des Kriegs getötet worden seien. Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu entschuldigte sich für den Angriff. Der israelische Generalstabschef Herzi Halewi bezeichnete den Vorfall als "schweren Fehler" und drückte ebenfalls sein Bedauern aus.

NGO pausieren Einsatz in Gazastreifen

Der Tod der Helfer im Gazastreifen stellt auch die weitere Versorgung der Menschen in dem Kriegsgebiet infrage. Die Gruppe Anera, eine Partnerorganisation von World Central Kitchen, will ihren Einsatz bis auf Weiteres einstellen. Auch die US-Organisation Project Hope teilte mit, dass sie ihre Arbeit im Gazastreifen aussetze. Das International Medical Corps, das in der Stadt Rafah eines der größten Feldlazarette mit 140 Betten betreibt, kündigte an, "unser Prozedere zu überdenken". 

Angehörige von Geiseln erhöhen Druck auf Netanjahu

Unterdessen nimmt auch in Israel der Druck auf Netanjahu zu. Den vierten Tag in Folge demonstrierten in Jerusalem Tausende Menschen gegen seine Regierung. Sie forderten eine Neuwahl und einen neuen Geiseldeal mit der Hamas.

Weitere Entwicklungen der Nacht in Kürze

  • Die Palästinenser haben das Verfahren zur Erlangung einer Vollmitgliedschaft bei den Vereinten Nationen wieder aufgenommen.
  • UN-Generalsekretär António Guterres hat den mutmaßlich israelischen Angriff auf das iranische Botschaftsgelände in Syrien kritisiert. Dabei wies er auf das "Prinzip der Unantastbarkeit" von diplomatischen und konsularischen Einrichtungen und deren Personal hin. Auch die USA distanzierten sich von dem Vorfall und machten offiziell Israel verantwortlich.

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