Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat einen möglichen Einsatz westlicher Bodentruppen in der Ukraine als ein Mittel der Abschreckung bekräftigt. "Falls die Russen die Frontlinien durchbrechen und falls die Ukraine darum bittet – was bislang nicht der Fall ist –, dann müssten wir uns zu Recht diese Frage stellen", sagte Macron in einem Interview mit der britischen Zeitschrift The Economist.

"Unsere Glaubhaftigkeit hängt auch von einer gewissen Fähigkeit der Abschreckung ab, indem wir nicht offenlegen, was wir tun oder nicht tun werden", sagte Macron in dem Interview. Er bekräftigte seine ursprüngliche Aussage zu dem Thema, dass er "nichts ausschließen" wolle. "Ich schließe nichts aus, weil wir jemanden gegenüber haben, der auch nichts ausschließt", sagte er mit Blick auf den russischen Präsidenten Wladimir Putin.

Die westlichen Staaten seien in der Vergangenheit zu zögerlich gewesen, als sie die Lieferung von Panzern und Flugzeugen in die Ukraine ausschlossen. "Wir hatten Unrecht mit Blick auf unsere Glaubhaftigkeit und unsere Abschreckung gegenüber Russland", sagte Macron. Die aggressive Reaktion Russlands auf Macrons Ausführungen zur Entsendung westlicher Bodentruppen habe gezeigt, dass diese Haltung bereits Wirkung gezeigt habe.

Bereits im Februar hatte der französische Präsident mit seiner Forderung eine Debatte entfacht. Macron bezeichnete nach einer Ukraine-Hilfskonferenz den Einsatz von Bodentruppen auf ukrainischem Gebiet durch sein Land als nicht ausgeschlossen. Mehrere Politiker, darunter auch Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), wiesen den Vorstoß Macrons für eine mögliche Entsendung von Bodentruppen aus Nato-Staaten zurück.