Nach dem Gefangenenaustausch zwischen Russland, Belarus und westlichen Ländern sind zwei Flugzeuge mit Freigelassenen auf dem Flughafen Köln/Bonn gelandet. Bundeskanzler Olaf Scholz begrüßte die Ex-Gefangenen, unter denen sich fünf Deutsche befinden, persönlich.  

"Alle sind wohlbehalten hier angekommen", sagte der SPD-Politiker kurz nach null Uhr auf dem Flughafen. Er habe sich mit den Angekommenen ausführlich unterhalten. "Das war sehr bewegend", sagte Scholz. "Viele haben nicht damit gerechnet, dass das jetzt passiert." Viele hätten um ihre Gesundheit und auch ihr Leben gefürchtet, sagte Scholz, "und deshalb ist es auch wichtig, dass wir ihnen diesen Schutz jetzt hier ermöglicht haben". Der SPD-Politiker hatte zuvor seinen Urlaub unterbrochen und war ebenfalls am Flughafen Köln/Bonn gelandet.

Die Operation habe "nur durch intensive Kooperation mit vielen Ländern Europas und ganz besonders den Vereinigten Staaten von Amerika über eine ganz lange Zeit" erfolgen können. Auch etwa Slowenien habe einen Beitrag geleistet.

Mit Blick auf den Austausch sagte Scholz, er glaube, "dass das eine richtige Entscheidung ist". Wer Zweifel daran habe, verliere diese nach dem Gespräch mit denjenigen, die jetzt in Freiheit sind.

"Wir sind eine von Humanismus geprägte Gesellschaft. Dass diejenigen, die um ihr Leben fürchten müssen, weil sie sich für Demokratie und Freiheit eingesetzt haben, dann auch mit dem Schutz anderer rechnen können, das gehört zu unserem Selbstbildnis als demokratische, humanistische Gesellschaft dazu", sagte Scholz.

Den Gefangenenaustausch mit Russland und dessen Partner Belarus hatte Scholz zuvor bereits als schwierige Entscheidung bezeichnet, besonders mit Blick auf die Freilassung des zuvor in Deutschland inhaftierten sogenannten Tiergartenmörders Wadim Krassikow. "Niemand hat sich diese Entscheidung einfach gemacht, einen zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilten Mörder nur nach wenigen Jahren der Haft abzuschieben." Die Entscheidung sei von der Koalition nach sorgfältiger Beratung und Abwägung gemeinsam getroffen worden.

Spontane Solidaritätsdemonstration vor dem Flughafen

Vor dem Flughafen bildete sich eine Menschentraube. Rund 80 Personen, die der "Richtung russische Opposition" zuzurechnen seien, hätten sich friedlich versammelt, gab die Polizei an. Sie standen vor der Zufahrt zum Flughafen, zu dem auch Bundeskanzler Olaf Scholz gekommen war, um die Freigelassenen zu begrüßen.

Eine Teilnehmerin sagte der Nachrichtenagentur, sie engagiere sich für den Verein Freies Russland NRW. Man unterstütze die Freigelassenen. "Wir wollten diese Freude miteinander teilen", sagte sie zu der Zusammenkunft. Im Gepäck hatte sie unter anderem Kuchen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Demo hofften nach eigenen Angaben auch darauf, die Freigelassenen selbst sehen zu können.

Auch der russische Präsident Wladimir Putin empfing seine freigelassenen Landsleute persönlich auf dem Flughafen in Moskau. "Ich möchte Ihnen zu Ihrer Heimkehr ins Heimatland gratulieren", sagte Putin auf dem Moskauer Flughafen Wnukowo zur Begrüßung der acht freigelassenen russischen Häftlinge, wie im russischen Staatsfernsehen zu sehen war. Mehrere von den Heimkehrern nahm Putin in den Arm.

In den USA wollen Präsident Joe Biden und Vizepräsidentin Kamala Harris neben Evan Gershkovich auch ihre aus der Haft freigekommenen Landsleute Paul Whelan und Alsu Kurmasheva am späten Donnerstagabend (Ortszeit) an einem Militärflughafen nahe Washington, D. C., empfangen. Nach Angaben des Weißen Hauses sollen die drei um 5.30 Uhr (MESZ) ankommen.

An dem größten Gefangenenaustausch zwischen Russland und dem Westen seit dem Kalten Krieg waren außer Russland auch dessen Verbündeter Belarus sowie fünf westliche Staaten, darunter die USA und Deutschland, beteiligt. Insgesamt kamen 24 Inhaftierte sowie zwei Minderjährige frei.

Russland ließ 15 Gefangene frei, darunter vier mit deutschem Pass; auch die Freilassung eines in Belarus verurteilten Deutschen konnte erreicht werden. Im Gegenzug konnten nach Angaben des russischen Geheimdienstes FSB acht russische Häftlinge sowie zwei Minderjährige nach Russland zurückkehren.