In ihrem ersten Interview mit dem rechten US-Sender Fox News hat sich die demokratische Präsidentschaftskandidatin Kamala Harris den Fragen von Moderator Bret Baier gestellt. 

Gleich zu Beginn gab es einen harten Schlagabtausch mit dem Moderator über Migration. Harris kam in dem konfrontativen Gespräch stellenweise schwer zu Wort und forderte mehrfach ein, ihre Sätze beenden zu können. Harris, die als Vizepräsidentin für das umstrittene Wahlkampfthema zuständig ist, räumte ein, dass das Migrationssystem repariert werden müsse. Das sei Aufgabe des US-Kongresses.

Zugleich machte sie republikanischen Konkurrenten Donald Trump verantwortlich. Er habe einen überparteilichen Gesetzentwurf, der mehr Grenzkontrollen und mehr Geld für Grenzsicherheit vorsah, im US-Kongress stoppen lassen, "weil er lieber auf Problemen rumreitet, als sie zu lösen."

Sie sei die einzige Kandidatin in diesem Rennen, die in ihrer Vergangenheit Menschen zur Verantwortung gezogen habe, die Menschen- und Drogenhandel betrieben hätten und das Land unsicher gemacht hätten, verwies sie auf ihre früheren Ämter als Staatsanwältin.

Wirtschaft und Iran, aber keine Schwangerschaftsabbrüche

Harris versuchte in dem Gespräch immer wieder, dem Publikum des konservativen Senders ihre Ansichten ungefiltert zu präsentieren – vor allem ihre Pläne für das Wirtschaftswachstum. Diese seien, anders als Trumps Ideen, von führenden Wirtschaftsexperten und Medien für wirkungsvoll befunden worden. Sie warb zudem für ihre Pläne, Wohnraum billiger zu machen und junge Eltern finanziell zu unterstützen. Zugleich sagte Harris, sie sei auch offen für Ideen von Republikanern – unter denen es auch Harris-Unterstützer gibt – und aus der Privatwirtschaft.

Eines von Harris' wichtigsten Wahlkampfthemen, das Recht auf Schwangerschaftsabbrüche, wurde nicht besprochen.

Auf die Frage, welches Land ihr zufolge Amerikas größter Gegner sei, nannte Harris den Iran. Sie betonte zudem ihre unerschütterliche Unterstützung für Israel im Kampf gegen "den Iran und seine terroristischen Stellvertreter in der Region". Die USA müssten immer sicherstellen, dass Israel die nötigen Ressourcen zur "Verteidigung" habe.

"Joe Biden steht nicht zur Wahl"

Während eines großen Teils des Interviews war allerdings ihr republikanischer Konkurrent Trump das Thema. Harris sagte, der Ex-Präsident sei "nicht stabil". Auf die Frage des Moderators, wann sie bemerkt habe, dass Präsident Joe Biden nicht fit für das Amt sei, verteidigte sie diesen – und distanzierte sich zugleich: Der amtierende Präsident stehe nicht zur Wahl. 

Nach Schwierigkeiten bei öffentlichen Auftritten, insbesondere im TV-Duell mit Trump, hatte Biden nach immensem innerparteilichen Druck seine Kandidatur zurückgezogen und an Harris übergeben. Harris stellte klar, dass sie nicht einfach die Fortsetzung der Biden-Präsidentschaft sei. "Ich repräsentiere eine neue Generation von Führungskräften", sagte Harris.

In Abkehr ihres bisherigen "Er ist einfach seltsam"-Wahlkampfs gegen Trump verteidigte Harris leidenschaftlich die US-Demokratie und griff auch hier Trump an, der von "Feinden im Inneren" der USA gesprochen hatte, gegen die das Militär eingesetzt werden könne. Trump werte Menschen ab, statt ihnen hochzuhelfen, sagte Harris.

Erstes TV-Interview mit konservativem Medium

Es war Harris’ erstes größeres Fernsehinterview mit einem konservativen Medium, seit sie im August offiziell zur Kandidatin der Demokraten gekürt wurde. Seither sprach die 59-Jährige unter anderem mit CNN, CBS und ABC News, die als liberalere Sender und den Demokraten tendenziell eher wohlgesonnen gelten. Nach ihrer Kür zur Kandidatin war Harris vor allem in der Anfangsphase vorgeworfen worden, Interviews zu meiden und sich damit vor kritischen Fragen zu drücken.

Baier ist Chefmoderator für Politik bei Fox News. Sein Schwerpunkt liegt auf politischer Analyse, Interviews und Nachrichten. Seine Sendung Special Report with Bret Baier wird täglich ausgestrahlt und zählt nach Angaben des Senders zu den meistgesehenen Formaten. Baiers Rolle unterscheidet sich von jener der Kommentatoren des Senders wie Sean Hannity oder Laura Ingraham, die sehr offen für den republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump werben und dessen Gegner kritisieren.

Trump hatte im Vorfeld kritisiert, dass Bret Baier das Interview mit Harris führt. Baier sei "oft sehr nachgiebig gegenüber den Linken", schrieb er auf der Onlineplattform Truth Social. Er selbst hätte einen "hartnäckigeren Journalisten" bevorzugt, ergänzte Trump, aber Fox News sei "so schwach und weich gegenüber den Demokraten geworden" und lasse ihre Aussagen unwidersprochen stehen, sodass das alles ohnehin keine Rolle mehr spiele.