Der belarussische Oppositionelle Sergej Tichanowski ist nach Angaben seiner Frau aus der Haft entlassen worden. Der Blogger und Aktivist sei zusammen mit 13 weiteren politischen Gefangenen im litauischen Vilnius eingetroffen, teilte das Team um Tichanowskaja mit.
Tichanowski war 2020 festgenommen worden, nachdem er Alexander Lukaschenko bei der anstehenden Präsidentschaftswahl herausgefordert hatte. Nach seiner Festnahme übernahm seine Frau Swetlana Tichanowskaja die Kandidatur und wurde zur Symbolfigur der Demokratiebewegung. Nach Einschätzung von unabhängigen Beobachtern gewann sie die Wahl mit deutlicher Mehrheit. Lukaschenko wurde jedoch als Wahlsieger ausgerufen.
Als es nach der Wahl zu Protesten kam, verließ Tichanowskaja unter dem Druck der Behörden das Land. Ihr Ehemann wurde 2021 wegen vermeintlicher Anstiftung zur Gewalt und Organisation von Massenunruhen zu mehr als 19 Jahren Straflager verurteilt. Die Kundgebungen ließ der autoritäre Machthaber damals gewaltvoll niederschlagen.
Gespräche mit den USA
Tichanowskaja dankte in einem Post auf der Plattform X US-Präsident Donald Trump, dem US-Außenministerium, dem Sondergesandten für die Ukraine, Keith Kellogg, sowie europäischen Verbündeten. Die Freilassung erfolgte kurz nach einem Besuch von Kellogg in der belarussischen Hauptstadt Minsk. Bei den Gesprächen mit Lukaschenko ging es unter anderem um eine friedliche Lösung für Russlands Krieg in der Ukraine, aber auch um die bilateralen Beziehungen zwischen den USA und Belarus.
Nach Informationen des unabhängigen Medienportals Nascha Niwa kam neben Tichanowski unter anderem der Journalist Igor Karnej frei.
Anfang 2025 wurde Lukaschenko erneut im Amt bestätigt. Anders als bei der Wahl vor fünf Jahren kam es dabei kaum zu Protesten, die Protestbewegung ist zum größten Teil zerschlagen. Die Demonstranten von damals sind inhaftiert oder im Exil. Bis zu 500.000 Menschen sollen Belarus seit 2020 verlassen haben.