"Ungerecht, dass ich hier so streng gefragt werde". Gregor Gysi ist in der Bredouille. Ein Erstwähler will vom Spitzenkandidaten der Linken wissen, warum seine Partei nicht an die junge Generation denkt. Warum sie soziale Wohltaten in Milliardenhöhe verspricht, ohne von der immensen Staatsverschuldung zu sprechen.

"Ich kann Ihnen das belegen", sagt Gysi. Und beginnt eine Rechnung mit Hundertermilliardenbeträgen. 160 kommen durch die Vermögens- und andere Reichensteuern rein. 140 bis 160 kosten die Sozialprogramme. Seine Partei habe das alles "von Ökonomen durchrechen lassen", versichert er, weil der junge Mann immer noch skeptisch schaut.

Auch zu anderen Themen zitiert Gysi Experten und streut Zahlen ein. Man merkt, dass er sich auf diesen TV-Dreikampf vorbereitet hat. Er möchte seine Linke als seriöse Partei präsentieren, die ein ausgeklügeltes Wahlprogramm hat, das nicht utopisch oder radikal ist. Was ihm an diesem Abend abgeht, ist das, was ihn sonst auszeichnet: Schlagfertigkeit, Übertreibung, Frechheit.

Neben Gysi steht Guido Westerwelle. Der FDP-Chef kichert freundlich über Gysis Hantieren mit den hohen Beträgen. Auch er ist weniger angriffslustig, weniger spöttisch als sonst. Auch er möchte darlegen, dass das Wahlprogramm seiner Partei ernsthaft durchgerechnet und nicht populistisch ist. Die Steuerversprechen ließen sich zum Beispiel durch eine Eindämmung der Schwarzarbeit refinanzieren.

Er sei "kein böser Bube", sagt Westerwelle. Dass die FDP alles privatisieren und die Sozialrechte kappen wolle, sei ein "Gerücht". Auch außenpolitisch gibt er sich diplomatisch. Man könne den Einsatz in Afghanistan nicht "kopflos und überstürzt beenden". Im nächsten Satz fügt er hinzu, dass man dennoch die Truppen "so schnell wie möglich" abziehen müsse.

Da schlagen zwei Herzen in einer Brust: Der Oppositionsführer, der weiß, dass die Mehrheit der Deutschen gegen den Afghanistan-Einsatz ist, und der künftige Außenminister, der Westerwelle gern sein möchte.

Zwischen ihnen: die Grünen-Chefin Renate Künast. Energisch, resolut, wie man sie kennt. Aber auch sie verstrickt sich ein paar Mal in komplizierten Ausführungen, mit vielen Nebensätzen. Einmal sieht man, dass Gysi, angestrengt zuhörend, kaum mehr mitkommt. Künast verteidigt den Einsatz in Afghanistan, ebenso wie die Agenda 2010. Beides hat sie als Ministerin im rot-grünen Kabinett mitgetragen. Dennoch findet sie nicht mehr alles gut daran. Das zu erklären, ist manchmal kompliziert.