In der kommenden Wahlperiode müssten die Grundlagen für einen Abzug geschaffen werden, heißt es in einem Strategiepapier des Auswärtigen Amtes, aus dem am Wochenende unter anderem der Spiegel zitierte.

Der Zehn-Punkte-Plan setzt unter anderem einen Akzent auf die Ausbildung der afghanischen Polizei. Bis 2011 sollte es in allen 122 Distrikten des von Deutschland kontrollierten Nordens eine angemessen ausgebildete Polizei geben. Der Standort Feisabad, wo derzeit knapp 500 Bundeswehrsoldaten Dienst tun, solle bis 2011 praktisch aufgelöst und in ein Ausbildungszentrum für Sicherheitskräfte und die Zivilverwaltung umgewandelt werden.

Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes bestätigte zwar die Existenz des von Steinmeier gebilligten Papiers mit dem Titel "Zehn Schritte für Afghanistan". Zum Inhalt wollte sie nichts sagen. Dem Spiegel zufolge verlangt der Plan für die künftige Aufbauhilfe "konkrete, verbindliche Ziele". Bei der nächsten Afghanistan-Konferenz, die nach dem Willen von Kanzlerin Angela Merkel noch 2009 stattfinden soll, dürfe man sich "nicht mit vagen Zielmarken begnügen".

Im nordafghanischen Unruheherd Kundus sollten sofort 1500 zusätzliche Polizisten ausgebildet werden. Die Zahl der derzeit 200 deutschen Armee-Ausbilder solle erheblich steigen. In der Frage des Umgangs mit den Taliban plädiere das Papier dafür, Mitläufern eine Rückkehr in die Gesellschaft zu ermöglichen und dazu einen internationalen Reintegrationsplan zu unterstützen.

Nach dem Luftangriff auf die Tanklastwagen mit über 50 Toten war die Debatte über die Perspektiven des Militäreinsatzes wieder aufgebrochen. Der Kommandeur der deutschen Soldaten in Kundus, Klein, sagte der Bild am Sonntag: Er halte es für unbedingt notwendig und richtig, dass der Vorfall untersucht werde. Klein sagte, er könne sein Verhalten vor seinem Gewissen und der afghanischen Bevölkerung verantworten.

Die Staatsanwaltschaft prüft, ob sie gegen Klein Ermittlungen einleitet. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble forderte eine Überprüfung der Vorschrift, dass die Staatsanwaltschaft gegen Soldaten nach einem Einsatz von Waffen tätig werden muss. "Diese Rechtslage gehört in der nächsten Legislaturperiode auf den Prüfstand", sagte Schäuble. Auch der Wehrbeauftragte des Bundestages, Reinhold Robbe, kritisierte die Vorschrift. Die deutschen Soldaten im Afghanistan-Einsatz bräuchten Rechtssicherheit. Sie dürften nicht wie Straftäter behandelt werden, wenn sie Zwischenfälle wie den Luftangriff in Kundus zu verantworten hätten, sagte der SPD-Politiker der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung.

Unterstützung erhielt Klein von Abdul Wahid Omarkhel, dem Distrikt-Chef der Region Chardara, wo das Bombardement stattfand. "Der Luftangriff war eine erfolgreiche Operation, weil Aufständische getötet wurden, die eine Gefahr darstellten. Die internationale Empörung darüber ist vollkommen unverständlich", sagte Omarkhel. Dass es in Deutschland Forderungen nach einem Abzug der Truppen gebe, mache ihm Sorgen, sagte Omarkhel. "Die Region Kundus braucht den Einsatz der Deutschen, auch für die wichtige Aufbauarbeit."