Im Rahmen der Ermittlungen gegen die frühere RAF-Terroristin Verena Becker will die Bundesanwaltschaft Geheimdienstakten verwenden, die auf Aussagen Beckers Anfang der achtziger Jahre zurückgehen. Innenminister Schäuble jedoch hat am Dienstag einen Antrag der Anwaltschaft abgelehnt, den Sperrvermerk der Akten aufzuheben. Damit können sie vor Gericht nicht verwendet werden.

Nach Angaben der Bundesanwaltschaft sind die Akten von wesentlicher Bedeutung, um die Rolle 57-Jährigen als Mittäterin bei der Ermordung des einstigen Generalbundesanwalts Siegfried Buback und seiner beiden Begleiter im Jahr 1977 zu klären. Dafür, dass sie am Tatort in Karlsruhe war oder womöglich selbst geschossen hat, gebe es laut Bundesanwaltschaft keine Anhaltspunkte. Michael Buback, Sohn des Opfers, hat über viele Jahre zum Mord an seinem Vater recherchiert. Er hält es für möglich, dass Becker geschossen hat. Ein Interview.

ZEIT ONLINE: Herr Buback, warum hat Innenminister Schäuble sich Ihrer Ansicht nach für eine Beibehaltung der Aktensperre entschieden?

Michael Buback: Die Frage müssen Sie natürlich ihm stellen. Mich bedrückt diese Entscheidung, da den Ermittlungsbehörden alle das Karlsruher Attentat unmittelbar betreffenden Informationen gerichtsverwertbar zur Verfügung gestellt werden sollten. Auch erstaunt mich die Entscheidung, da die betreffende Verfassungsschutzakte dem Generalbundesanwalt bereits vor 27 Jahren umfassend, schriftlich und zeitnah übergeben worden war. Die damaligen Minister der beteiligten Ressorts habe ich zudem so verstanden, dass es keine, die Nutzung durch die Bundesanwaltschaft einschränkende Sperre für die Akten gab.

ZEIT ONLINE: Dafür spricht die damalige umfassende Aktenübergabe.

Buback: Genau, ansonsten wäre wohl, wie es nun im Jahr 2007 der Fall war, der Bundesanwaltschaft nur ein sehr knappes Behördenzeugnis des Bundesamtes für Verfassungsschutz zugesandt worden. Wie kann es sein, dass die Akte in 27 Jahren geheimer geworden ist? Man würde das Umgekehrte erwarten: Ein kurzes Behördenzeugnis damals und eine umfassende Aktenübergabe heute.

ZEIT ONLINE: Sie haben über die Verfassungsschutzakten gesagt, Sie erwarteten von den Unterlagen keine Informationen über das Tatgeschehen vom 7. April 1977. Welche Art Informationen haben Sie sich erhofft?